Lektorenrundbrief Nr. 12 (August 2000)


Inhaltsverzeichnis


Editorial

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie Sie sehen, sind wir etwas dicker geworden! Und das ist bei einem [Rundbrief, der ebenfalls als, mh] Printmedium erscheint, ja sehr zu begrüßen. Und auch die Redaktion hat Verstärkung bekommen. Dank Mechthild Duppel-Takayama (Tokyo), Stefan Hug (Niigata) und Ralph Degen (Takamatsu), die wir als neue Redaktionsmitglieder ganz herzlich begrüßen, sind wir jetzt wieder zu sechst. Wir hoffen, dass Sie dieser Lektorenrundbrief noch vor der Sommerpause erreicht und wünschen allen auf diesem Wege erholsame Sommerferien!

Außer "Schuhcreme und Sauna" gab es auf dem Lektorentreffen in Tokyo (Bericht vom DAAD liegtebenfalls bei) wie immer auch eine Diskussion über den Rundbrief. Unter anderem wurde bemängelt, dass Didaktik und Methodik in den letzten Ausgaben viel zu kurz gekommen seien. Wir wollen deswegen diese Bereiche wieder stärker berücksichtigen und suchen nach Material, das möglichst direkt im Unterricht eingesetzt werden kann. Wir wollen damit der Lektorenhomepage keineswegs Konkurrenz machen, im Gegenteil sei noch einmal darauf hingewiesen, dass man dort ebenfalls Unterrichtsentwürfe finden und zur Verfügung stellen kann. Allerdings wird das Gros der Unterrichtsmaterialien wohl doch eher per Hand zusammengeschnippelt und ist deswegen absolut html-untauglich. Aus diesem Grund bieten wir im Lektorenrundbrief die Möglichkeit zur Veröffentlichung im guten alten Papierformat.

Auf unserer Suche nach geeignetem Material haben wir eine deutsch-romaji-japanisch Liste grammatischer Begriffe, einen Unterrichtsentwurf zu Mr. Bean (vielleicht besser erst NACH dem Essen lesen) und eine deutsch-japanische Spieleanleitung zur Satzbörse gefunden (demnächst bitte auf Euro umstellen!). Bitte schickt uns Eure Artikel und Voschläge, damit diese Rubrik auch in den nächsten Ausgaben gut gefüllt ist!

Allerdings haben wir in der Redaktion festgestellt, dass nicht nur die Musterbeispiele interessant sind, sondern auch die alltäglichen Pleiten und Pannen. So zum Beispiel wenn man im Unterricht feststellt, dass das Memoryspiel - das man in stundenlanger Fleißarbeit fuer die ganze Klasse vorbereitet und sich daran die Finger wundgeschnippelt hat - nichts taugt, weil das Papier durchscheinend ist und so alles sichtbar vor den Student(inn)en liegt. Oder die Tücke der sanitären Einrichtungen unseres Gastlandes: Nur wer hundertprozentig treffsicher ist, sollte es wagen, direkt vor dem Unterricht - womöglich noch inhellen Wildlederschuhen! - eines dieser Stehklos zu benutzen!

Aber das nur am Rande. Wir haben wie immer auch Ernsthaftes zu bieten. So etwa den Bericht von einer Studie über die Lebenssituation der Studierenden an der Universität Matsuyama. Die eigentliche Untersuchung ist auf japanisch und wird in dieser Form wahrscheinlich auch an anderen Universitäten durchgeführt. Matthias Grünewald hat sich die Mühe gemacht, eine Zusammenfassung auf deutsch für den Lektorenrundbrief zu schreiben. Und wer noch nicht weiß, was er über den Sommer lesen soll, kann Tills Rat folgen und sich auf eine detektivische Reise in Japans Geschichte begeben.

Zum Schluss noch ein Vorschlag: Wie wäre es, wenn wir im Lektorenrundbrief Platz für Hinweise auf Ihre / Eure Artikel in den Universitätsblättern einrichten würden? Dann könnten sich die anderen bei Bedarf direkt an den Autor / die Autorin richten und Belegexemplare bestellen. Diesmal also wieder viele Bitten um Ihre /Eure Unterstützung! Nochmals schöne Ferien!

die Redaktion

Übrigens: Der Lektorenrundbrief ist über das DAAD-Büro in Tokyo zu bekommen.

DAAD-Außenstelle Tokyo
Akasaka 7 - 5 - 56, Minato-ku, Tokyo 107-0052
Tel (03) 3582 - 5962
Fax (03) 3582 - 5554
email: daad-lekt@gmd.co.jp


"Mit Schuhcreme in die Sauna"

von Till Weber, Okinawa

Impressionen vom Lektorentreffen an der Städtischen Universität von Tokyo in Hachioji am 9. Juni 2000

Wie üblich wurde die Frühjahrs-Gakkai der Germanisten in Japan mit einem Treffen von rund 40 Lektorinnen und Lektoren aus deutschsprachigen Ländern eingeleitet. Neben praktischer Information gab es Berichte über diverse Aktivitäten, aus Korea usw. Herausragend war die Präsentation des Leiters der Finanzabteilung der Deutschen Botschaft, Herrn Putscher. Er gab uns Aufschluss über allerlei auf dem Geldbeutel liegende Fragen des Japanaufenthaltes und beantwortete humorvoll und praxisnah mehr oder weniger heikle Fragen. Hinterher muss man sagen: ein paar Yen weniger in der Tasche, aber dafür ein ehrlicher Steuerbürger geblieben. Danke, Herr Putscher! Die Schuhcreme gab`s dann zum Kaffee. Meine katakana- untauglichen Programme können die japanische Schreibweise nicht wiedergeben, aber es hieß wirklich "Schuhcreme". Sie war gelblich, süß, steckte in Windbeuteln und schmeckte merkwürdig nach Vanillepudding. Selbigen noch am Barte kleben habend ging es dann zurück in die Tagungsstätte, einen saunaähnlichen Raum mit wenig Fenstern und einer abgeschalteten Klimaanlage - Gouverneur Ishihara hat seiner Gemeinde Tokyo einen eisernen Sparkurs verordnet. So dünstete man phasenweise apathisch im eigenen Saft herum, während die sieben Stunden währende Veranstaltung langsam zu Ende schlich. Mein älterer (japanischer) Kollege wunderte sich hinterher nicht wenig, dass das Lektorentreffen dieses Mal ohne Streit und wilde Diskussionen abgelaufen war - manche schrieben es der guten Leitung durch die neue DAAD-Dame Mechthild Duppel-Takayama zu. Ich aber meine: es war schlicht zu heiß zum Zanken!


"Der Wattebausch"

von Frank Nitsche, Yokohama

Seit 1996 bin ich nun in Yokohama tätig und kann eigentlich nicht behaupten, dass ich mich komplett auf das Leben in Japan eingestellt habe. Vielmehr hat sich eine besondere Art zyklischen Zeitverständnisses eingestellt, d.h. es gibt Phasen in denen ich mich pudelwohl fühle und andere, in denen ich überall, nur nicht in Japan sein will. Ich ertappe mich dabei, mit Fug und Recht über Japan zu lästern, wo ich doch schon "soo lange" hier bin und weiß, wovon ich spreche. Aber genau das ist der heikle Punkt, denn oft weiß ich eben nicht, wovon ich spreche und muss zugeben, dass ich Einiges nicht verstehe, obwohl ich seit über 4 Jahren in Japan lebe, Japanologie studiert habe, Japanisch spreche und lese, meine Tochter aus einem japanischen Kindergarten abhole und japanische Freunde und Nachbarn habe. Gut, meine Frau ist keine Japanerin, und vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass trotz aller Nähe und Freundschaft immer noch das entscheidende bisschen Distanz bleibt, welches mir den Platz zwischen Stühlen hier manchmal schmackhaft, manchmal ungenießbar macht. Es fällt oft schwer, über den eigenen deutschen oder europäischen Schatten zu springen, aber erst durch die Distanz ist mir klar geworden, was dieser Schatten überhaupt ist. Ein Aspekt ist vielleicht Direktheit und das Gefühl, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Was aber tun, wenn Sie die Wand gar nicht finden oder sie nachgibt? Was tun, wenn Sie sich gar keine Beule holen können (mal abgesehen von denen am Kopf wegen niedriger Türen...)? "In einem Wattebausch stecken und boxen", so hat das mal jemand formuliert und ich finde es ganz treffend. Japan ist keine Streitkultur und man kommt sich manchmal wie ein Trampel vor. Das kann frustrierend sein und ist es auch für so ziemlich alle Ausländer, die ich kenne, aber das ist halt eine der Sachen, an die man sich gewöhnen muss. Hieraus folgt auch gleich eine weitere, nämlich dass blinder Eifer wirklich schadet. Im Feuereifer des Neuankömmlings habe ich so Vieles anders und vermeintlich besser machen wollen und so Vieles davon ist in die Hose gegangen. Hätte ich mir gleich von Anfang an mehr Zeit genommen zum Beobachten, hätte ich mir viel Arbeit, Zeit und Frust gespart! Und ich ertappe mich immer noch dabei, voreilig zu sein! Tja, man lernt nie aus... Ich habe mich natürlich auch gefragt, was ich denn hier für Sie Nützliches schreiben kann und heraus gekommen ist dabei die folgende Liste mit grammatikalischen Begriffen.

Also dann Prosit - möge es nützen!

Die Liste mit den grammatikalischen Begriffen sind bereits in das allgemeine Glossar eingearbeitet. mh/mm


Zur Lebenssituation der Studierenden - eine Untersuchung an der Universität Matsuyama

von Matthias Grünewald, Matsuyama

Eine interessante Studie über die soziale Situation der Studierenden innerhalb und außerhalb der Universität wurde im Juli 1998 von der Universität Matsuyama durchgeführt. Anlass - so lässt sich vermuten - ist die zunehmend prekärere Lage vieler Universitäten in Japan: abnehmende Studentenzahlen aufgrund der demographischen Entwicklung, daraus folgende größere Konkurrenz zwischen den Hochschulen, notwendige Umstrukturierungen aufgrund gesetzlicher Veränderungen sowie die abnehmende Bedeutung der Universitäten als Zugangstor zu einem gesicherten Arbeitsver-hältnis. Dies alles führt dazu, dass ein zunehmendes Interesse zu bestehen scheint, mehr über die Defizite in der sozialen Versorgung und Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit der Studierenden mit der universitären Ausbildung zu erfahren, um so eventuell erfolgversprechende Reformen durchführen zu können.

Befragt wurden in der umfangreichen, aus 115 Fragen bestehenden Studie insgesamt 2822 Studierende aus vier Jahrgangsstufen, wobei sich etwa gleich viele Studenten wie Studentinnen beteiligten. Untersuchungsthemen waren die wirtschaftliche Situation, Wohnung und Verkehrsmittel, die Aufnahmeprüfung, Ziele, Eindrücke und Erwartungen an das Studienleben, der Unterricht und das Unterrichtsprogramm, Auslandsaufenthalte, Bibliothek, AV-Bücherei und Computerraum, die Beratung der Studierenden, die Beziehung zu anderen Studierenden, die Arbeitssituation, Club-aktivitäten, Gesundheitsfragen, Aspekte des Alltagslebens, Zertifikate und Scheine an der Universität sowie eine Beurteilung der Arbeit der Angestellten der Universität. In dieser bunten Aneinanderreihung und Reihenfolge der Studie spiegeln sich bereits die methodischen Mängel wider, die die Untersuchung kennzeichnen. Zudem wurde bei den meisten Fragen nur eine Antwortmöglichkeit zugelassen!!! - auch dies ein höchst problematischer Aspekt.

Trotzdem kann die Studie zum Teil einen aufschlussreichen Einblick in die Lebens- und Gedankenwelt der Studierenden geben, der auch für uns als Deutschlehrkräfte interessante Einzelaspekte beleuchtet. Inwieweit die Untersuchung auf die Situation an anderen Universitäten übertragbar ist, kann natürlich nicht im Einzelnen beurteilt werden - allemal lohnt sich aber ein Blick auf die Lage an einer provinziellen Universität mittlerer Größe (etwa 6000 Studierende) mit einer Position etwas unterhalb der Mitte in der nationalen Ranking-Liste.

Im Folgenden werden nur die aus meiner Sicht interessantesten Fragen und dabei auch nur die häufigsten Nennungen angegeben:

  • Auf die Frage "Was ist wichtig für Sie im Studienleben?" antworten 757 "Perspektiven für mein Leben finden", 640 "Indem ich an Klubs und Seminaren teilnehme, möchte ich Freunde gewinnen", 446 "Indem ich die Vorlesungen sehr regelmäßig besuche, möchte ich Methoden der Erkenntnis-gewinnung kennen lernen", 379 "Ich möchte Fachkenntnisse und Fachtechniken vertiefen", 217 "Hobby, Unterhaltung, Reisen usw., ich möchte frei leben" und 152 "Ich möchte einen guten Arbeitsplatz finden".

  • Als wichtigstes Kriterium für die Auswahl der Vorlesungen und Seminare nennen 1238 den "Inhalt der Veranstaltungen", 735 "Veranstaltungen, in denen man leicht gute Noten bekommt", 256 die "Meinung von Freunden und anderen Studierenden in höheren Semestern", nur 178 den "Vorlesungszeitpunkt" und 175 einen "Interessanten Unterricht".

  • Mit den Veranstaltungen "unzufrieden" sind 1183, "zufrieden" 963 und "sehr unzufrieden" 370. "Sehr zufrieden" sind dagegen nur 34 Studierende.

  • Als Gründe für die Unzufriedenheit nennen 613, dass die Veranstaltungen "keinen Reiz" haben, 415 konnten "nicht verstehen, was der Lehrende sagt", 237 geben an, "dass die Lehrer keine Lust hatten und ihre Unterrichtsmethoden keinen Spaß machten" und für 171 ist der Inhalt der Veranstaltung "zu schwierig".

  • Als Wunschvorstellungen für eine gute Veranstaltung wird im Weiteren von 1479 angegeben, dass "die Lehrkräfte alles möglichst einfach erklären sollten", 298 meinen, dass "die Veranstaltungen so gestaltet werden sollten, dass sie etwas mit anderen außerhalb des Studiums zu erwerbenden Zertifikaten zu tun haben", 194 wünschen, dass "die Lehrenden in der ersten Sitzung eine ausführliche Schilderung des Ablaufs der Veranstaltung geben sollten", 174 meinen, dass die Anwesenheit nicht überprüft werden sollte" und 172 haben den Wunsch, "dass die Lehrenden hilfreiches Unterrichtsmaterial geben sollten".

  • Bezeichnend auch, wie die Lernbereitschaft der Studierenden außerhalb des Unterrichts ist: 2154 lernen 0-1 Stunden täglich, 516 1-2 Stunden, die fleißigeren Studierenden mit mehr Lernzeit fallen dagegen nicht ins Gewicht.

  • Die gegenwärtige Benotung finden 816 "in Ordnung", 745 bemängeln, dass "die Benotungskriterien unklar sind" und 737 wünschen sich die Benotung "noch milder".

  • Auf die Frage, welchen Typ von Lehrenden sie am meisten mögen, finden 1322 diejenigen am sympathischsten, "die wie Freunde sind", 428 präferieren diejenigen, "mit denen man außerhalb des Unterrichts etwas unternehmen kann", 402 bevorzugen jene, "die beraten" und 397 ziehen diejenigen vor, "die die Veranstaltungen mit Elan machen".

  • Interessant ist auch, welche Fremdsprachen die Lernenden interessieren: Mit Abstand führend ist natürlich Englisch mit 1448 Nennungen, gefolgt von Chinesisch mit 404 und Französisch mit 303 Nennungen. Deutsch folgt knapp dahinter mit 272 Nennungen. Positiv insgesamt kommt Europa weg, wenn es um die Interessen für einen eventuellen Sprachaufenthalt im Ausland geht: 1297 nennen hier Europa als bevorzugtes Ziel, 498 Nordamerika, 386 Ozeanien und 371 Asien.

  • Was die Aktivitäten außerhalb der Universität betrifft, so jobben 891 immer und 611 gelegentlich. Eine feste Arbeit, was immer das im Einzelnen heißen mag und inwieweit es von regelmäßigem Jobben abzugrenzen ist, haben 797.

  • 1044 Studierende nennen die "Beziehungen zu Freunden" als dasjenige, was sie in ihrem Alltagsleben am meisten interessiert, 386 allgemein ihre Freizeit, 229 ihre Kleidung und 196 Einkaufen.

  • Als mit 897 Nennungen stark dominierenden Problembereich bezeichnen die Studierenden ihre Zukunft, gefolgt von 415, die die Beziehungen zu ihren Freunden und 237, die psychische und physische Probleme nennen.

Aufgrund der häufig unklaren Fragestellung und Begrenzung auf eine Antwort bleibt die Aussagekraft der Studie sicherlich im Unklaren. Dennoch wirft sie ein Schlaglicht auf die Sichtweise der Studierenden in Bezug auf Studium und Lebensrealität, die vielleicht punktuell auch für Deutschlehrkräfte von Interesse sein kann. Wer Interesse an der Broschüre hat, dem oder der kann ich sie gerne bei Übernahme der Portokosten zusenden.


Buchrezensionen

Laura Joh Rowland: "Der Kirschblütenmord"

von Till Weber, Okinawa

Seidenkimono rascheln in der Dunkelheit... Schwerter klirren leise... das Flusswasser spielt mit den toten Körpern eines verzweifelten Liebespaares...

Kommen Ihnen die Zutaten bekannt vor? Allzu oft finden sie sich allerdings in jenem Genre unsäglich schrottiger Kolportage-Romane, die über Japan wohl so oft wie über kaum ein anderes "exotisches" Land geschrieben werden: Ninja, Geisha (sprich: Gaischas), Oni, einfach baka. Seit James Clavells "Shogun" und jüngst Hisako Matsubaras "Himmelszeichen" hat es im Genre historischer Romane, die in Japan spielen, nicht viel wirklich Lesenswertes in westlichen Sprachen gegeben.

Die Amerikanerin Laura Joh Rowland schafft es jedoch in ihrem Roman "Der Kirschblütenmord" nicht nur, die üblichen Zutaten wohlschmeckend, also unterhaltsam, zuzubereiten, sondern liefert ein vielschichtiges Zeitbild der Genroku-Periode (Ende des 17. Jahrhunderts) gleich mit.

Im Zentrum des klassischen Whodunnit-Plots steht ein junger Samurai, der in der Millionenstadt Edo das Amt eines Yoriki, eines höheren Polizeibeamten, wahrnimmt. Sano Ichiro ist daran nicht durch erwiesene Fähigkeiten, sondern durch Beziehungen gekommen; ein Schreck für seine Vorgesetzten, als er plötzlich beginnt, ernsthafte Nachforschungen über einen vermeintlichen Doppel-Liebesselbstmord (Shinju, so auch der Originaltitel des Buches) anzustellen.

Sanos Reise führt ihn durch das alte Edo (Tokyo) mit seinen vielfältigen Vierteln und Bewohnern, fremd und doch in manchem dem Japan-Bewohner seltsam vertraut. Er trifft auf hochkarätige Kurtisanen, Händler porno-graphischer Farbholzschnitte, Kabuki-Stars und abgehalfterte Sumoringer. Für Spannung ist gesorgt, aber eigentlich liegt der Reiz in der eingeflochtenen Darstellung des historischen Alltags mit vielen wissenswerten Details. Ein paar Kleinigkeiten sind nicht genau getroffen. So hießen Töchter eines Daimyo im 17. Jahrhundert sicher nicht wie eine heutige OL Midori oder Yukiko und auch der Hauptturm der Burg Edo stand 1689 schon 32 Jahre nicht mehr. Aber das tut der meisterlich hergestellten Atmosphäre keinen Abbruch: ein bürokratisierter Feudalstaat, in dem der Staat alles über jeden seiner Untertanen wissen möchte und Recht und Wahrheit nur nachrangig sind im Vergleich zur Sicherung des politischen und sozialen Status Quo. Bei der Schilderung von Gerichtsver-handlungen und des Gefängnisses von Edo sträuben sich dem Leser die Nackenhaare, wohl dosierte makabere Ingredienzien, die dem Roman die nötige Würze verleihen.

In immer tiefere Schichten des Skandals und höhere Ränge der Gesellschaft dringt der Detektiv bei seiner Suche vor, stets im Zwiespalt zwischen Giri, seiner Pflicht gegenüber Vorgesetzten und Familie, und Ninjo, dem Verlangen nach Wahrheit. Bis zuletzt bleibt die Suche spannend und der Leser klappt die letzte Seite um mit dem Verlangen nach mehr.

Dieses kann leicht befriedigt werden, schreibt Mrs. Rowland doch bereits an ihrem fünften und sechsten Buch aus der Reihe, nachdem "Der Kirschblütenmord" 1994 der Erstling war. Neben diesem (gebunden bei Lübbe, Taschenbuch bei BLT 1999, ISBN 3-404-92008-2) liegt auf Deutsch noch vor: "Bundari. Ein Roman aus der Welt der Samurai." (gebunden bei Lübbe 1999, ISBN 3-785-70978-1). Weiteres erfährt man unter http://ourworld.compuserve.com/homepages/laurajohrowland.


Franz Eppert: "Grundwortschatz Deutsch"

Im Gespräch: Sabine Plum, Tokyo, und Franz Nitsche, Yokohama.

S.P.: Frank, du hast dir dieses Buch von Eppert doch auch genauer angesehen. Wie findest du es denn?

F.N.: Ich muss sagen, ich war ziemlich angetan. Das ist doch mal ein einfaches Übungsbuch, ohne Firlefanz und aufwendige Terminologie. Wie gefällt es dir denn?

S.P.: Ich fand die Übungen auch ganz gut. Ich glaube, dass das wirklich eine gute Hilfestellung zum Behalten und auch zur Erweiterung des Wortschatzes ist. In diesem Bereich werden die Lernenden meiner Meinung nach viel zu sehr allein gelassen. Und stures Vokabelpauken ohne die Hilfestellung von Übungen und Möglichkeiten der Selbstkontrolle ist ja wirklich hart!

F.N: Eben. Aber vielleicht sollten wir hier erstmal etwas zum Aufbau des Buches sagen?

S.P.: Stimmt. Dabei muss zunächst wohl gesagt werden, dass das Übungsbuch Epperts schon älter ist. Es stammt aus den 70er Jahren und ist für einen Lernprozess konzipiert, in dem ein "Grundwortschatz" des Deutschen aufgebaut werden soll. In den Arbeitshinweisen wird daher auch auf Heinz Oehlers: "Grundwortschatz Deutsch" (Stuttgart 1966) Bezug genommen. Das Konzept eines solchen Grundwortschatzes war immer umstritten, aber man kann dieses Buch auch ganz unabhängig von dieser konzeptio-nellen Einbindung betrachten. Nun aber zum Aufbau: Die Übungen sind jeweils auf Wörter mit einem bestimmten Anfangsbuchstaben bezogen und man arbeitet sich auf diese Weise also von A-Z durch einen Teil des deutschen Wortschatzes. Dabei lassen sich mehrere Übungstypen unterscheiden: Es gibt erstens verschiedene Übungen, in denen überprüft wird, ob die Lernenden die Bedeutung der Wörter kennen. In diesen Übungen soll aus drei angebotenen Alternativen jeweils ein richtiger Gegenbegriff, ein synonymer Ausdruck oder eine sinngerechte Satzfortführung ausgewählt werden. Außerdem ist die Richtigkeit von kurzen Definitionen zu überprüfen. Zweitens gibt es Kombinations-übungen, in denen man Zusammenhänge zwischen Wörtern herstellen soll. Hierbei geht es nur noch teilweise um inhaltliche Zusammenhänge, und es werden auch feste Wortverbindungen überprüft, wie sie etwa bei Funktionsverbgefügen vorliegen, oder einfach häufige und besonders typische Zweierkombinationen (Kollokationen). Eine dritte Gruppe bilden dann Einsetzübungen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Aus dem stufigen Aufbau dieser Übungstypen ergibt sich, dass derselbe Wortschatz wiederholt durchgearbeitet wird und so gut behalten werden kann.

F.N.: Denke ich auch. Ich finde es aber schade, dass bei dieser neuen und um die japanische Übersetzung ergänzten Auflage des Eppert nicht auch einige Beispielsätze geglättet oder verändert wurden. Denn an einzelnen Stellen entspricht es doch nicht mehr so ganz dem heutigen Sprachgebrauch. Es wäre schön gewesen, wenn man das ein wenig aktualisiert hätte. Dass da die "Zonengrenze" in einem Beispiel auftritt (IJ 73, Satz 22) ist ja vielleicht nicht nötig und auch den "Kameraden" (K77, Nr. 1) finde ich nicht unbedingt zeitgemäß.

S.P.: Ja, wenn man sich die einzelnen Beispielsätze genauer ansieht, findet man natürlich einiges, dem man nicht ohne weiteres zustimmen möchte. Das ging mir auch so. Gleich am Anfang wird in der ersten Übung zu Wörtern mit dem Buchstaben A etwa nach dem Gegenteil zum Wort "abladen" gefragt (Nr. 12). Damit wird das ansonsten beachtete Prinzip, Wörter im Satzzusammenhang vorzustellen, durchbrochen und das führt auch sofort zu Problemen. In Kontexten wie: "Kannst du mir mal helfen, das Klavier (vom Auto) abzuladen?" kann natürlich keineswegs, wie es die Lösung hier vorsieht, das Wort "beladen" als Gegenbegriff verwendet werden, sondern man würde "einladen" verwenden, das hier nur im Sinne von jmdn. zu einer Party einladen verstanden und auch übersetzt wird. Manchmal scheint mir auch, dass bei den Antwortalternativen gerade die treffendsten Ausdrücke gar nicht auftreten, z.B. beim Satz 3 in der gleichen Übung: "Wenn die Tür abgeschlossen ist, muss man sie : (a. verschließen, b. öffnen, c. aufstellen)". Warum nicht "aufschließen"? Und das man neben "das Licht anmachen" als bedeutungsähnlichen Ausdruck "das Licht anzünden" setzt, nicht aber "das Licht einschalten" (A 3, II, Nr. 2 und A 11, Nr. 20), finde ich - gelinde gesagt - etwas merkwürdig. Vielleicht ist es unvermeidlich, dass sich bei so vielen Übungssätzen immer auch welche finden lassen, die einem persönlich nicht so geglückt erscheinen, aber ärgerlich finde ich so etwas trotzdem. Das stellt dieses Übungsbuch natürlich nicht grundsätzlich in Frage, aber man muss bei seiner Benutzung schon etwas aufpassen.

F.N.: Du hast recht. Auch ich bin an einige Sachen gestoßen, die ich problematisch fand. Aber ein solches Buch wird man ja immer lernbegleitend einsetzen, zur Wiederholung oder zur Vertiefung. Und dafür eignet es sich meiner Meinung nach sehr gut. Mir gefällt, dass es hier doch überwiegend nicht um einzelne Wörter geht, sondern um Wörter im Zusammenhang, z.B. in häufig benutzten Phrasen und Ausdrücken, d.h. neben den Vokabeln werden auch Wortfelder und konkrete Anwendungsbeispiele geliefert und dann auch die Übersetzungen dazu.

S.P.: Sicher, die strukturellen Aspekte kommen hier stark zu ihrem Recht, das sehe ich auch so. Allerdings habe ich mich gerade deshalb auch gefragt, ob man das wirklich übersetzen kann und zu welcher Art der Übersetzung das dann führt. Dabei denke ich insbesondere an zwei Dinge, die ich schwierig finde. Erstens: Bei den angebotenen Lösungsalternativen gibt es manchmal auch Sätze, die gar keinen Sinn ergeben und nur zur Abgrenzung herangezogen werden. Ich weiß nicht, ob da eine Übersetzung so sinnvoll ist. Zweitens: An vielen Stellen geht es um sehr sprachspezifische Strukturen, etwa bei den festen Wortverbindungen. Hast du dir die Übersetzung einmal genauer angeschaut?

F.N.: Hm, ja, ich kann auch etwas Japanisch, aber ich bin kein Experte. Ich glaube auch, dass man manche Sachen nicht übersetzen kann. Aber ich habe das Buch im Unterricht für Fortgeschrittene verwendet und festgestellt, dass die Studenten die Übersetzungen zwar stellenweise etwas steif, manchmal auch merkwürdig, insgesamt aber ganz hilfreich fanden. Ich meine, dass man zum Beispiel gestelzte Sätze mit vielen Alliterationen, die sich etwa in den Zwischenbemerkungen zu den Übungen häufig finden, nicht einfach in normales gesprochenes Japanisch übertragen kann. Und an diesen Stellen hat man sich - wie ich denke - erfolgreich darum bemüht, dem Deutschen eine japanische Entsprechung zu geben. Ich bin auch dankbar dafür, dass die chinesischen Schriftzeichen in dem Buch durchgehend mit Hilfszeichen (Furigana) versehen sind. Auf diese Weise kann man sich ja auch selbst die Übersetzung ansehen und mit den Studenten besprechen, zumindest wenn man etwas Japanisch versteht.

S.P.: Insgesamt würdest du das Buch also empfehlen?

F.N.: Ja, durchaus. Ich würde es auch selbst im Unterricht einsetzen und glaube, dass es den Studenten auch Spaß machen kann, damit zu arbeiten. Für Studenten finde ich den Preis allerdings ziemlich hoch, die müssten schon sehr stark motiviert sein, um so viel zu investieren.

S.P.: Ich bin grundsätzlich deiner Meinung, finde aber einige einführende Hinweise an die Lernenden wichtig, die auf die von uns auch angesprochenen Probleme aufmerksam machen. Wenn die Studierenden dann einfach mal versuchen, wie weit sie kommen und bei Unsicherheiten zurückfragen, glaube ich auch, dass es ihnen Spaß macht, mit dem Buch zu arbeiten, und sie etwas davon haben.

Franz Eppert: Grundwortschatz Deutsch. Übungen und Tests zu den 2000 wichtigsten Wörtern und 3000 idiomatischen Redewendungen Die Originalausgabe wurde von Verena Calenberg und Takako Hirata mit einer japanischen Übersetzung und zusätzlichen Erläuterungen versehen und erschien 1999 in einer japanischen Lizenzausgabe beim Deutsch-Japanischen Informationsbüro Tokyo. Zu beziehen ist es zum Preis von 4.000 Yen durch eine schriftliche Bestellung an das:

Deutsch-Japanisches Informationsbüro, Hakusan 2- 24- 7 - 101, 112-0001 Tokyo, Bunkyo-ku

 


Neu! Die Didaktikecke

Mr. Bean: Lunch auf der Parkbank

Unterrichtsvorschlag

von Ralp Degen, Takamatsu

Erste Stunde (noch keine Utensilien nötig):

    - Zuerst schaut man das Video mit der Klasse zusammen und sagt den Studenten, dass sie sich Notizen (ruhig auf Japanisch) machen sollen, was Mr. Bean alles macht. (Der Sketch dauert etwa 8 min.) -Wenn die Studenten noch kein so großes Vokabular haben, kann man das Video noch mal schauen und Vokabeln üben: Gegenstände zeigen, benennen und Aussprache üben.

    - Vokabelliste austeilen. Studenten sollen in Partnerarbeit versuchen, den Sketch mit Mr. Bean nachzuerzählen. Dazu können sie die Nomen links und die Verben rechts mit Strichen verbinden und Sätze bilden. Lehrer läuft in der Klasse herum und beantwortet Fragen.

    - Studenten versuchen gemeinsam den Sketch nachzuerzählen. Dabei kann man den Sketch laufen lassen und ggf. auf Pause drücken.

  • Hausaufgaben: Sketch zu Hause einmal schriftlich nacherzählen und mit den eigenen Notizen (Stichpunkten) mündlich üben.

Utensilienliste

    - Das Video von Mr. Bean. Man kann es in jeder Videothek leihen, da sich Mr. Bean (Rowan Atkinson) in Japan großer Beliebtheit erfreut.

    - Fische, Nuckelflasche, Kreditkarte

    - ein Marmeladenglas, Pfefferkörner, eine Wärmflasche (KEINE Thermosflasche), Butter, ein Stofftaschentuch, einen Laib Weißbrot, ein Salatblatt in einem Plastikbeutel, Butter, einen Teebeutel,

  • Jemanden, der einigermaßen Deutsch kann, z.B. einen Kollegen oder einen Deutschen

Zweite Stunde (jetzt mit Utensilien):

- Man stellt ein paar Stühle zusammen um eine Parkbank zu machen. Ein Deutschsprechender, der den Sketch nicht kennt, wir nennen ihn der Einfachheit halber Herrn Kunz setzt sich auf die eine Seite der Bank, der Lehrer ist der Mann mit dem Sandwich und setzt sich auf die andere Seite der Bank.

- Herr Kunz ist mit den obigen Utensilien ausgestattet.

- Er muss nun nach den Anweisungen der Schüler die Rolle von Mr. Bean durchspielen. Zur Belohnung bekommt er danach auch ein Sandwich.

  • Hausaufgaben: Studenten sollen sich zu Hause den Text (letztes Blatt) anschauen.

Was daran gut war:

Normalerweise ist es ja nicht einfach, die zurückhaltenden bis komatösen Studenten dazu zu bringen, von sich aus etwas zu sagen. Erstaunlicherweise hat es hier geklappt, dass sogar mehrere Studenten durcheinander gesprochen haben und das mit normaler Stimme. Auch beginnen die Studenten von sich aus zu gestikulieren, was ich nicht schlecht finde. Außerdem ist die Stimmung recht ausgelassen, nachdem die Klasse Mr. Bean gesehen hat.

 

Mr. Bean: Lunch auf der Parkbank / Text

(Nacherzählung des Sketches)

Auf einer Parkbank sitzt ein Mann und liest ein Buch. Mr. Bean setzt sich neben den Mann auf die Bank. Der Mann nimmt ein Sandwich heraus und bietet Mr. Bean ein anderes an. Mr. Bean lehnt ab. Der Mann beginnt sein Sandwich zu essen. Mr. Bean schaut ihm einen Moment zu und holt dann einen Laib Brot aus seiner Manteltasche. Mit einer Schere aus der anderen Manteltasche schneidet er das Ende des Brotes ab. Er wirft den Kanten über den Mann hinweg in einen Mülleimer, der neben der Bank steht.

Der Mann guckt befremdet. Mr. Bean schneidet mit der Schere zwei Scheiben Brot ab und legt sie sich auf die Knie. Das restliche Brot legt er neben sich auf die Bank. Er holt ein großes Stück Butter auf einem Glasteller mit Deckel aus der Tasche. Er schmiert die Butter mit einer Kreditkarte auf die beiden Scheiben Brot und sagt zu dem Mann neben sich: "Mein flexibler Freund." Er steckt die Kreditkarte in die Butter und stellt sie neben sich auf die Bank. Die beiden Brote legt er auf die Armlehne der Bank.

Nun holt Mr. Bean einen Plastikbeutel mit ein paar Salatblättern aus der Manteltasche, nimmt ein Blatt Salat heraus und wäscht es in dem kleinen Trinkbrunnen, der direkt neben der Parkbank steht. Er legt das gewaschene Salatblatt ebenfalls auf die Armlehne. Dann stopft er das Salatblatt in eine seiner Socken und schleudert sie, um den Salat zu trocknen. Daraufhin legt er die beiden Brote wieder auf seine Knie und krempelt die Socke so lange um, bis das Salatblatt zum Vorschein kommt, das er auf das Brot fallen lässt. Er hängt die Socke über die Rückenlehne der Bank zum Trocknen.

Nun holt Mr. Bean ein Marmeladenglas mit Wasser aus der Tasche, in dem zwei Fische schwimmen. Er schraubt das Glas auf und nimmt die Fische an der Schwanzflosse heraus. Sie zappeln und Mr. Bean schlägt sie auf die Armlehne. Dann hält er die Fische an sein Ohr, um zu hören, ob sie wirklich tot sind. Er legt die Fische auf das Brot, zu dem Salatblatt.

Als nächstes holt er ein weißes Stofftaschentuch heraus und legt es neben sich auf die Parkbank. Er streut ein paar ganze Pfefferkörner auf das Taschentuch und faltet es. Dann haut er mehrmals mit dem Schuh darauf, um die Pfefferkörner zu "mahlen". Er hebt das Taschentuch etwas an, um auf die Körner zu schauen und haut dann hastig noch einmal drauf. Er streut den Pfeffer auf das Brot und klappt die beiden Scheiben aufeinander.

Der Mann neben ihm beginnt, Tee oder Kaffee aus einem Becher zu trinken. Mr. Bean schaut zu ihm herüber und holt einen Teebeutel und eine Wärmflasche (KEINE Thermosflasche!) aus der Manteltasche. Er schraubt den Verschluss ab und weiß nicht, wo er ihn hinlegen soll, weil schon die ganze Parkbank mit seinen Sachen vollgelegt ist, also steckt er sich den Verschluss einfach ins Ohr. Dann hängt er den Teebeutel in die Wärmflasche. Nun holt er eine Nuckelflasche (Babyflasche) mit Milch aus dem Mantel und versucht vergeblich, etwas Milch in die Wärmflasche zu schütten. Deshalb saugt er etwas Milch aus der Flasche und spuckt sie in die Wärmflasche. Er schüttelt die Wärmflasche vorsichtig und klemmt sie sich unter den linken Arm, während er sich mit der rechten Hand ein Lätzchen in den Hemdkragen steckt. Als er in das Brot beißen will, muss er wegen des Pfeffers niesen. Der Tee spritzt aus der Wärmflasche und das Brot fliegt in hohem Bogen auf den Boden.

Der Mann neben ihm bietet Mr. Bean ein Sandwich an. Mr. Bean lächelt und nimmt das Sandwich. Der Verschluss (Stöpsel) der Wärmflasche fliegt aus seinem Ohr: plopp.

 
Vokabelliste
 
sich setzen
jemandem ... anbieten
anfangen ... zu essen
abschneiden
auf ... streichen
in ... stecken
aus ... herausholen
waschen
ausziehen
reinstecken (hineinstecken)
schleudern
hochkrempeln
auf ... schlagen (auf ... hauen)
zappeln
hinstellen
auf ... legen
auf ... schütten
auf ... streuen
aufschrauben
in ... reinhängen (hineinhängen)
saugen (nuckeln)
in ... spucken
schütteln
ausschütteln
reinbeißen (hineinbeißen)
niesen müssen
runterfallen (auf den Boden fallen)
spritzen (verschütten)
lächeln
zu ... rübergucken (hinübergucken)
die Parkbank
das Sandwich
der Laib Brot
die Schere
das Ende des Brotes (das Knüstchen)
der Mülleimer
die Manteltasche
die Sitzfläche
die Armlehne
die Rückenlehne
die Butter
die Kreditkarte
das Salatblatt
der Plastikbeutel
der Trinkbrunnen
der rechte Schuh
die rechte Socke
das Marmeladenglas
der Fisch / die Fische
das Stofftaschentuch
die Pfefferkörner
der Becher Tee
der Teebeutel
die Wärmflasche
der Verschluss (der Stöpsel)
die Nuckelflasche (die Babyflasche)
der Kragen
das Lätzchen (als Lätzchen)
 


Satzbörse

von Anne Gellert, Kumamoto

Man nehme eine Liste von Sätzen mit und ohne Fehler. Aufgabe der Studenten ist es, die richtigen Sätze zu finden und zu kaufen. Dazu erhält jede Gruppe 5000 DM. Der Auktionator versteigert die Sätze wie auf einer richtigen Versteigerung. Das Mindestgebot sind 100 DM. Gesteigert wird in 100-DM-Schritten. Der Kaufpreis wird vom Etat der Gruppe abgezogen. Wenn alle Sätze versteigert sind, wird ausgerwertet. Jede Gruppe bekommt für jeden richtigen Satz, den sie gekauft hat, 500 DM gutgeschrieben. Für jeden falschen Satz werden 500 DM Strafgebühr abgezogen.

 


Profile - alt und neu

Jörg Peters

Hallo! Ich möchte mich kurz als "Neuer" vorstellen: Ich heiße Jörg Peters und bin seit Oktober letzten Jahres an der Kanazawa Daigaku als Deutschlektor tätig. Ich habe also meine Umzugskartons schon längst weggeräumt - bin in diesem Sinne also nicht mehr "neu" - habe aber trotzdem noch soviel zu lernen und zu erfahren, dass meine 9-monatige Anwesenheit eigentlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.

Ich komme aus Hannover, wo ich Germanistik und Geschichte studiert habe. Erst gegen Ende meines Magisterstudiums entwickelte sich bei mir ein Interesse für den Bereich DaF, so dass ich nach der Prüfung 1996 noch einige DaF-Seminare besuchte. Danach habe ich dann an einer Sprachschule und an der Volkshochschule als Deutschlehrer gearbeitet.

Hier in Japan bzw. in Kanazawa gefällt es mir sehr gut, denn ich bin in einer schönen Stadt gelandet und meine Kollegen an der Uni sind sehr nett und hilfsbereit. So fiel es mir nicht schwer, mich einzuleben. Trotzdem stellt das Leben und Arbeiten hier in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung dar. Es ist eine, die ich gerne annehme.

Jörg Peters, Kanazawa


Michael Tröster

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

beinahe unbemerkt, bin ich zum 1.4.00 als Neuling in den Kreis der in Japan tätigen Lektoren hinzugestoßen. Einige von Euch konnten mich nun bereits beim Lektorentreffen des DAAD in Tokyo persönlich kennenlernen. Für diejenigen, die daran nicht teilgenommen haben, möchte ich mich ganz kurz vorstellen: Ich komme von der Universität Erlangen, an der ich die letzten dreieinhalb Jahre gearbeitet und promoviert habe. Von Haus aus bin ich Rechtswissenschaftler, mit Schwerpunkt auf dem Zivilrecht. Mein Motiv nach Japan zu kommen lag nicht in der Vermittlung der deutschen Sprache, sondern vielmehr halte ich Vorlesungen zum Deutschen Recht an drei Universitäten im Raum Kansai. Umgekehrt hoffe ich im gegenseitigen Austausch mit japanischen Kollegen Einblicke in die japanische Rechtskultur zu gewinnen. Privat verbringe ich die meiste Zeit mit meiner Frau und unserem nicht ganz zweijährigen Sohn, der mir dies mit seinem hinreißenden Kinderlachen dankt. Eventuell wird er derjenige sein, der sich die besten Sprachkenntnisse während unseres auf drei Jahre angelegten Aufenthaltes in Kobe aneignet. Ich hoffe in dieser Zeit noch zahlreiche deutsche Lektorinnen und Lektoren persönlich kennenzulernen und grüße Euch alle recht herzlich

Michael Tröster


Bernhard Öhlinger

Als ich Silvester 99/00 in Wien darüber spekulierte, was das neue Jahr für mich bringen würde, wusste ich noch nicht, dass es Japan sein würde! Am 3. Jänner war bei der Post ein Brief von meinem Doktorvater Prof. Dr. Ulrich Müller (ich habe bei ihm eine Diplomarbeit über "Parzival" und eine Diss über die Epik um 1200 geschrieben) mit einem Angebot von der Universität Hiroshima von Herrn Prof. Shitanda und der Frage "Wäre das nichts für Sie?". Gut! Ein halbes Jahr später - das Semester neigt sich inzwischen schon fast wieder seinem Ende zu - bin ich hier und unterrichte in der Faculty of Letters im Deutschen Seminar und in der Faculty of Integrated Sciences. Während im ersteren das Hauptgewicht auf Literatur und Linguistik gelegt werden soll, ist zweiteres ein normaler DaF-Unterricht. Auf Fremdsprachen- unterricht läuft natürlich beides hinaus. Was meine Hobbies betrifft, sind sie derart banal und klischee- haft, dass es mir peinlich ist, sie hier zu nennen. Japanisch gehört übrigens leider noch nicht dazu.

Bernhard Öhlinger


Claudia Marra

Ich habe in Bochum zunächst Chemie, dann krankheitshalber Japanologie und Germanistik studiert, und bin mit einer Unterbrechung, seit mehr als 8 Jahren in Japan, ( 3 in Tokyo und 5 in Nagasaki). Und da ich seit April letzten Jahres eine unbefristete Stelle habe, werde ich wohl noch eine ganze Weile hierbleiben! Ich unterrichte Deutsch (in deutscher Sprache), deutsche Literatur und europäische Geistesgeschichte (beides in Japanisch) in der Fakultät für internationale Kultur an der nagasakigaikokugotankidaigaku, die nächstes Jahr eine vierjährige Uni wird, und dann eine eigenständige Deutschabteilung eröffnet. Nebenbei bin ich Lehrbeauftragte an der staatlichen Uni Nagasaki, sowie im JASIN Program für ausländische Studenten an meiner Tandai, wo ich japanische Literaturgeschichte, Schwerpunkt Meijizeit, (diesmal in Englisch) lehre. Meine Forschungsschwerpunkte sind vergleichende Literaturtheorie und -geschichte (ich arbeite an meiner Diss über: Die Ausdifferenzierung der ästhetischen Kommunikation Japans), Nietzsches Philosophie (ich arbeite im japanischen Nietzscheforschungs- kreis mit, außerdem ist gerade ein Artikel von mir im "Nietzsche-Jahrbuch 5/6" in Berlin erschienen), Buddhismus (derzeit erscheint gerade ein Artikel über die Geschichte des klösterlichen Buddhismus in der "Encyclopedia of Monasticism" in Chicago) und dann interessiere ich mich noch für Karl May, über dessen Chinaromane ich dieses Jahr beim Karl-May-Kongress in Texas einen Vortrag halten werde. Mein Hobby ist Kendo, dieses Jahr werde ich die Prüfung zum 4. Dan in Angriff machen, und trainiere daher im hiesigen Polizeidojo, sowie diversen an deren Clubs mindestens 3x pro Woche, was meine blaugeklopften Arme erklären dürfte... So, nun wissen Sie fast alles über mich! Herzliche Grüße aus Nagasaki,

Claudia Marra


Termine, Termine!

von Mechthild Duppel-Takayama, Tokyo


31.8.-3.9.

28. Linguistenseminar der JGG in Kyoto zum Thema "Das Deutsche aus der Sicht der Sprachtypologie" (Gastdozent: Prof. Dr. Ekkehard König, FU Berlin)


28.9.

Bewerbungsschluss für DAAD-Jahresstipendien


7.10.

Treffen für deutschsprachige Lektorinnen und Lektoren (Nanzan Daigaku, Nagoya)


7.-8.10.

Herbsttagung der Japanischen Gesellschaft für Germanistik (Nanzan Daigaku, Nagoya)


2.-5.11.

26. JALT Annual International Conference on Language Teaching and Learning (Granship Convention & Arts Centre, Shizuoka)


18.-24.3.2001

43. Kulturseminar der JGG in Tateshina zum Thema "Renaissance der Rhetorik" (Gastdozentin: Prof. Dr. Renate Lachmann, Universität Konstanz)

24.-28.3.2001

6. DaF-Seminar in Tsukuba zum Thema "Neue Perspektiven der Textarbeit im Deutschunterricht" (Gastdozentin: Prof. Dr. Swantje Ehlers, Justus-Liebig-Universität Gießen)