Rundbrief Nr. 26 (August 2005)

Artikel

Didaktikecke

Rezension

Termine und Hinweise

Die Fliege im Flugzeug

Ich war der einzige Passagier
Und hatte – nur zum Spaße –
Eine lebende Fliege bei mir
In einem Einmachglase.

Ich öffnete das Einmachglas.
Die Fliege schwirrte aus und saß
Plötzlich auf meiner Nase
Und rieb sich die Vorderpfoten.
Das verletzte mich.
Ich pustete. Sie setzte sich
Auf das Schildchen „Rauchen verboten“.

Ich sah: der Höhenzeiger wies
Auf tausend Meter. Ha! Ich stieß
Das Fenster auf und dachte
An Noahs Archentaube.
Die Fliege aber – ich glaube,
Sie lachte. Und hängte sich an das Verdeck
Und klebte sehr viel Fliegendreck
Um sich herum, im Kreise,
Unmenschlicherweise.

Und als es dann zur Landung ging,
Unser Propeller verstummte,
Da plusterte das Fliegending
Sich fröhlich auf und summte.

Gott weiß, was in mir vorging,
Als solches mir durchs Ohr ging.
Ich weiß nur noch, ich brummte
Was vor mich hin. So ungefähr:
Ach, daß ich eine Fliege wär.

Joachim Ringelnatz (7.8.1883 - 17.11.1934)

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Artikel

Japan mailt an Portugal, Portugal mailt an Japan

Bericht über einen Mail-Austausch zwischen einer Universität in Japan und einer in Portugal.

Im Rahmen einer im August 2005 in Bonn vom DAAD angebotenen Fortbildung (Thema war u.a. die Durchführung von Webprojekten) für Ortslektoren, die von Dozenten des Instituts für Interkulturelle Kommunikation (IIK in Düsseldorf) betreut wurde, vereinbarten Alexander Imig von der Universität in Nagoya (Japan) und Michael Laub von der Universität in Vila Real (Portugal), ein gemeinsames Mailprojekt zu beginnen.

Die Organisation von Mailaustauschprojekten war Bestandteil der Fortbildung. Dabei wurde schnell deutlich, dass es bisher noch keine Datenbank speziell für Austauschprojekte an Universitäten gibt. Die meisten Datenbanken sind für Schulprojekte bestimmt. Die Gründe liegen in der oft andersgearteten Organisation der universitären Sprachausbildung und wohl auch am kleineren geringeren Bedarf gegenüber dem schulischen Fremdsprachenunterricht. Da Michael Laub positive Erfahrungen mit einem solchen Austausch mit einer ungarischen Universität gemacht hatte – aus den Mailpartnern ist inzwischen eine ERASMUS-Partnerschaft entstanden – schlug er einen Austausch zwischen japanischen und portugiesischen Deutschstudenten vor.

1. Ausgangssituation Japan

Alexander Imig betreute im Sommer- und Wintersemester 2004/2005 einen Aufsatzkurs für 11 Hauptfach-StudentInnen des dritten Jahres. Der Dozent kannte die StudentInnen des Kurses schon seit 3 Jahren. Die Gruppe hatte einmal pro Woche (90 Minuten) Unterricht. Mit dem Schreiben von Briefen hatten die Kursteilnehmer bereits Erfahrung. Nach einer Abstimmung wurde das Mailprojekt ohne Gegenstimme angenommen.

Portugal: Michael Laub betreute im Studienjahr 2005/2006 einen Deutschkurs für Studenten des Studiengangs der Angewandten Fremdsprachen (Unterrichtszeit: 5 Wochenstunden). Die Studenten befanden sich in ihrem 2. Studienjahr, bereits im ersten Studienjahr wurden sie von Michael Laub betreut. Die Sprachkenntnisse der Kursteilnehmer unterschieden sich zum Teil erheblich: zwei Teilnehmer sind in Deutschland und der Schweiz aufgewachsen und sprechen somit sehr gut Deutsch, sechs Teilnehmer hatten schon drei Jahre Deutschunterricht in der Sekundarschule, drei Teilnehmer begannen erst an der Universität mit Deutsch. Die Studenten in Vila Real hatten an drei Tagen pro Woche Unterricht (insgesamt 5 Stunden).

Für die portugiesischen Studenten war dieser Mailaustausch die erste Projekterfahrung, der Kursleiter hatte bereits vor zwei Jahren mit einer anderen Studentengruppe einen Mailaustausch mit ungarischen Deutschstudenten der Universität Baja durchgeführt. Auch in Vila Real wurde das Projekt ohne Gegenstimme angenommen, obwohl (oder gerade weil) kein Kursteilnehmer bisher einen speziellen Bezug zu Japan hatte.

2. Projektablauf

Insgesamt wurden vier Mails gewechselt. Die erste Mail kam aus Japan. In drei Gruppen hatten die StudentInnen eine Vorstellungsmail erarbeitet. Es gab eine Vorstellung der Gruppe (12 Personen, inklusive des Lehrers), der Universität und der Stadt Nagoya. Die Mail wurde unkorrigiert von Alexander Imig am 13.10.2004 mit einer Einleitung versehen und weggeschickt.

Kurz bevor die erste Mail aus Japan in Portugal ankam, wurde in Vila Real eine Doppelstunde dem Thema „Japan“ gewidmet. Die Studenten sammelten erste Vorinformationen zu dem Land, schilderten ihr „Japan-Bild“ und hörten japanische Musik. In dieser Unterrichtseinheit wurde klar, dass dieses Japan-Bild von Stereotypen und Klischees („alle Japaner sind fleißig und klein...“) bestimmt war, gleichzeitig steigerte diese Unterrichtseinheit die Neugierde auf die Partnergruppe.

Die erste Mail aus Japan wurde gemeinsam im Unterricht gelesen. Die portugiesischen Studenten stellten ebenfalls ihre Gruppe vor, zudem formulierten verschiedene Arbeitsgruppen kurze Texte zu ihrer Universität, zu Vila Real oder zur portugiesischen Esskultur („Wir haben auch eine reiche Süßspeisenkultur, wir essen mit Gabel, Löffel und Messer.“). Daran schlossen sich Fragen an die Partner in Japan an. Auf die Fragen der StudentInnen aus Portugal antworteten die StudentInnen individuell. Der Lehrer schrieb zu der Mail eine kurze Einleitung und die Grußformel.

Die nächste Mail ging wieder von Japan aus. Hierbei erarbeitete der Kursleiter mit den StudentInnen Assoziationen zu der vorangegangen Mail, aber auch zu Portugal und zu Fragestellungen in Japan: Daraus wurden dann Informationen zur Situation in Japan gegeben und Fragen zur Situation in Portugal gestellt. Die von den StudentInnen ausgewählten Themen waren: Esskultur, Deutschlernen, Reisen, Wetter, Erdbeben und die neuen japanischen Geldscheine. Die letzten beiden Themen spiegelten japanische Geschehnisse wieder (das Erdbeben in Niigata 2004 und die Einführung neuer Geldscheine).

Antworten und Fragen aus Portugal: Die uns gestellten Fragen wurden in kleinen Arbeitsgruppen beantwortet. Dabei zeigte sich, dass die Studenten nicht nur neugierig auf diese scheinbar fremdartige Kultur in Japan waren, sondern auch gerne Textsorten einübten, die sie in dieser Form in ihrem späteren Berufsleben auch erstellen müssen (z.B. in der Tourismusbranche).

Die letzte Mail war der Frage nach Erdbeben in Japan gewidmet. In Gruppenarbeit stellten die japanischen StudentInnen Zusammenhänge zwischen Erdbeben und dem japanischen Alltagsleben vor. Es gab etwas zur Geschichte von Erdbeben, zu Erdbebenübungen und Erdbebenvorsorge没orsorge und auch einen Erfahrungsbericht zum Erdbeben in Kobe. Diese letzte Mail wurde von den portugiesischen Studenten mit besonderem Interesse gelesen („Wie ist das Gefühl dort zu leben, wo es viele Erdbeben gibt?“, „Nein, hier gibt es nicht ungewöhnliche Wetter wie die Tsunami oder Taifuns. Wir haben viel Glück!“). Zwar zog man sofort einen Vergleich zu dem katastrophalen Lissabonner Erdbeben 1755, doch spielt das Thema „Erdbeben“ im portugiesischen Alltag keine Rolle.

3. Nach dem Projekt

Reflexionen, neuer Anlauf Diese vier Mails haben die Motivation der StudentInnen erheblich gesteigert, ohne dass andere Projekte darunter gelitten haben. Unsere Befürchtung, dass durch die Beschäftigung mit den e-Mails für die Erarbeitung anderer Textsorten nicht genügend Raum bleiben könnte, erwies sich als unbegründet. Auch von portugiesischer Seite kann bestätigt werden, dass dieses Projekt eine den „traditionellen“ Unterricht unterstützende Komponente war. Zumal sich durch solch eine Partnerschaft Textsorten ideal in die Praxis umsetzen lassen.

Bisher hat das Projekt leider keine Fortsetzung gefunden. Alexander Imig unterrichtet zurz Zeit einen Kurs Aufsatz 1 (mit StudentInnen) im 2. Jahr, die noch teilweise noch große Probleme beim Verfassen von Briefen haben. Dieser Kurs kann erst im Wintersemester mit dem Schreiben von Briefen bzw. Mails beginnen. Eine Weiterführung durch Kollegen, die einen Kurs Aufsatz 2 Kurs unterrichten, wurde aus verschiedenen Gründen bisher nicht realisiert.

Gerne wird auch die portugiesische Seite das Projekt fortsetzen. Ob dies mit derselben Gruppe der Fall sein wird, steht jedoch noch nicht fest. Erfreulich wäre jedenfalls, wenn sich im Anschluss an eine Partnerschaft individuelle Mailpartnerschaften zwischen den Kursteilnehmern entwickeln würden. Positiv ist sicherlich auch, dass die Studenten durch diesen Austausch und dem damit verbundenen Perspektivenwechsel eine objektivere Sichtweise auf die deutschsprachigen Länder bekommen können (der Blick auf die deutschsprachigen Staaten von zwei Seiten stand bisher nicht im Mittelpunkt des Projekts „Nagoya-Vila Real“); darüber hinaus diente dieses Projekt dazu, sich Gedanken über das eigene Land zu machen und es einer „fremden“ Partnergruppe vorzustellen.

Ausblick

Eine zunehmende Vernetzung zwischen Deutschlektoren in aller Welt wäre wünschenswert um aus einem Pool von interessierten Projektpartnern schöpfen zu können. Hier könnte ein möglicher Schritt eine stärkere Vernetzung der regionalen Lektoren-Arbeitsgruppen sein. Die meisten dieser Arbeitsgruppen haben ihre eigenen Websites, dort könnte man problemlos Links zu anderen Gruppen einfügen. Auch andere Fragen, die Lektoren in verschiedenen Ländern betreffen, könnten so gemeinsam erörtert werden.

Eine völlige Institutionalisierung eines Mailprojektes ist sicher nur sehr schwer möglich, persönliche Kontakte und damit auch Sympathien werden weiterhin entscheidend bleiben. Interessant wäre es jedoch, an einer Stelle verschiedene Kontakte zwischen Japan und Europa zu bündeln, um mehrere Projekte dieser Art an verschiedenen Universitäten zu ermöglichen. Auch ein didaktischer Austausch wäre dann wünschenswert.

von Alexander Imig (Japan) und Michael Laub (Portugal)

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DaF ist doch keine Wissenschaft – oder?

Anmerkungen zu einem Symposium des Japanischen Deutschlehrerverbandes

DaF hat als eine wissenschaftliche Disziplin in Japan nach wie vor einen schweren Stand. Mit einer Handvoll aktiver Kolleginnen und Kollegen ringt die Disziplin um Anerkennung und Institutionalisierung, doch sie trifft dabei auf große, nicht immer offen ausgesprochene Vorbehalte. Diese beruhen unseres Erachtens einerseits auf Missverständnissen, andererseits auf der mangelnden Vertrautheit mit einer Wissenschaft, deren Erkenntnisinteressen und Forschungsverfahren zum Teil sehr stark von den Traditionen der Germanistik abweichen.

Um eine sachlichere Auseinandersetzung voranzubringen, organisierten wir auf der diesjährigen Frühjahrstagung der JGG an der Waseda Universität ein Symposium mit dem Titel: „Innenperspektiven, Außenperspektiven ・Zur Profilbildung der wissenschaftlichen Disziplin DaF in Japan“. Die Außenperspektive wurde dabei von vier Kollegen aus der Literatur- bzw. Kulturwissenschaft und der Linguistik vertreten, die in kurzen Präsentationen ihre Sicht des Themas darstellten. Es kam anschließend zu einer lebhaften und zum Teil sehr kontroversen Diskussion im Plenum, deren Verlauf wir hier jedoch nicht im Einzelnen darstellen können. Hier möchten wir einige der zentralen Diskussionspunkte vorstellen und thesenhaft kommentieren. Wir würden es sehr begrüßen, wenn wir dadurch einen Meinungsaustausch anstoßen könnten.

Was bedeutet eigentlich „DaF“? Wie das Symposium sehr anschaulich zeigte, beginnen die Schwierigkeiten der Verständigung beim Begriff selbst. Die Möglichkeiten seiner Auslegung sind derart unterschiedlich, dass Verständigungsschwierigkeiten unvermeidlich erscheinen. Grundsätzlich können innerhalb der japanischen Germanistik vier verschiedene Deutungsvarianten voneinander abgrenzt werden.

Vor dem Hintergrund der umgangssprachlichen Lesart DaF1 liegt es nahe, das Akronym als überflüssig zu kritisieren. Ein Einwand, mit dem freilich das Thema der Diskussion verfehlt wird, denn diese zielt nicht auf einen sinnvolleren Gebrauch von Alltagssprache, sondern auf ein besseres Verständnis eines seit vielen Jahren etablierten Fachbegriffes.

Die Deutung DaF2 ist zweifellos die in Japan am häufigsten anzutreffende. In gewisser Hinsicht muss sie als die Ursache der meisten Missverständnisse gelten, denn es bestehen entscheidende Unterschiede zur Variante DaF3, die allerdings nur selten benannt oder wahrgenommen werden. Im Gegensatz zum Praxisfeld „Deutschunterricht für japanische Lernende“ bezieht sich der Begriff bei DaF3 auf eine vollkommen andere Erscheinungsform von Praxis: nämlich die theoretische und empirische Beschäftigung mit Lehr- und Lernprozessen. Um die ständige Verwechslung dieser beiden Praxen zu vermeiden, halten wir es für angebracht, entweder den jeweiligen Bezug immer deutlich herauszustellen oder – sofern der Kontext unmissverständlich ist – bei der Variante DaF2 einfach von „Deutschunterricht“ zu sprechen. Dann würde zugleich einer weiteren Verwirrung vorgebaut, denn in der Lesart DaF4 bezieht sich die Bezeichnung „DaF-Unterricht“ auf die Aus- und Fortbildung von Lehrenden. Allerdings findet sich dieser Bezug in Japan eher selten, denn das Bewusstsein dafür, dass das Lehren von Fremdsprachen in einer speziellen Form der Ausbildung erlernt werden kann (und auch sollte), scheint bislang nur sehr schwach ausgeprägt zu sein.

Ist DaF überhaupt eine wissenschaftliche Disziplin?

Beschränkt man sich auf die Bedeutungsvariante DaF2 und ignoriert darüber hinaus den internationalen Forschungsstand, erscheint es nahe liegend, diese Frage zu verneinen. Allerdings muss man dann konsequenterweise auch anderen Wissenschaften, die sich mit einzelnen Handlungsfeldern innerhalb menschlicher Gemeinschaften beschäftigen, die WissenschaflichkeitBerechtigung absprechen.

Natürlich profitiert DaF als eine sehr junge wissenschaftliche Disziplin bei den Analyseverfahren und den Theoriebildungsprozessen von etablierten Wissenschaften, aber ihr Gegenstand ist ebenso klar definiert wie ihre Erkenntnisinteressen es sind: DaF-Forschende befassen sich theoretisch und empirisch mit fremdsprachlichen Lehr- und Lernprozessen und deren verschiedenartigen Einflussfaktoren. Die Komplexität des Geschehens besser zu verstehen, für diedenden jeweiligen Bedingungen angemessene Formen der Organisation zu entwickeln sowie diese zu evaluieren, gelten dabei als die übergeordneten Erkenntnisinteressen. Da der Gegenstand der untersuchten Lehr- und Lernprozesse die deutsche Sprache und Kultur ist, nimmt DaF eine besondere, interdisziplinäre Stellung ein zwischen den einzelnen Teilbereichen der Germanistik einerseits und der allgemeinen Sprachlehr- und -lernforschung andererseits. Die Diskussion darüber, an welches dieser angrenzenden Wissenschaftsgebiete sich die Disziplin DaF am engsten binden sollte, ist allerdings wenig sinnvoll, weil keines ohne Verlust gegen ein anderes ausgespielt werden kann. Was in Fällen einer einseitigen Gewichtung passiert, kann man leicht am traditionell großen Einfluss der Linguistik studieren: Deutschlehrende und die Autorinnen und Autoren von Lehrmaterialien greifen willig nach dem Angebot einer systematischen Sprachbeschreibung, weil es Sicherheiten in der tendenziell ungewissen sozialen Situation „Unterricht“ verheißt. Werden linguistische Modelle jedoch als Grundlage für didaktische und methodische Entscheidungen gleichsam zweckentfremdet, bergen sie die Gefahr, die Spontaneität und Kreativität aller Beteiligten einzuschränken und Lernprozesse zu trivialisieren.

Sind Erfahrungsberichte von Lehrenden nicht unwissenschaftlich?

Die Kritik an der Wissenschaftlichkeit von DaF erwächst zu einem Teil aus dem öffentlichen Erscheinungsbild der Disziplin. Wie wir in einer Publikationsanalyse belegen konnten (Schart & Hoshii 2004), dominieren in den DaF-relevanten Veröffentlichungen Beiträge, die bisherige Theoriebildungsprozesse der Disziplin und empirische Forschungsergebnisse weitgehend ausblenden. Bei den muttersprachlichen Lehrenden in Japan bilden Erfahrungsberichte über erfolgreich wahrgenommene Unterrichtskonzepte oder Lehrmaterialien eine deutliche Mehrheit aller Veröffentlichungen. Diese wirken tatsächlich unwissenschaftlich, wenn ihnen jede Form von (selbst)kritischer Distanz fehlt, wenn die Flüchtigkeit unterrichtlichen Geschehens nicht mit Hilfe von empirischen Forschungsinstrumenten festgehalten wird, wenn die Texte nicht in den Fachdiskurs eingebunden werden.

Die Kritik an den Erfahrungsberichten darf unserer Meinung nach freilich nicht so weit führen, ihre Bedeutung vollends zu bestreiten. Indem sie öffentlich das Bemühen um einen besseren Unterricht dokumentieren, erfüllen sie durchaus eine wichtige Funktion. Sie inspirieren und ermutigen Kolleginnen und Kollegen und tragen somit dazu bei, dass Lehrende ein professionelles Selbstbewusstsein aufbauen können. Als eine Möglichkeit des Austausches innerhalb der Profession helfen sie zudem dabei, mit dem praktischen Wissen eine Wissensform zu bewahren, die zwangsläufig verloren geht, sobald sie von Theoriebildungsprozessen vereinnahmt wird.

Für die Profilbildung von DaF als wissenschaftlicher Disziplin gewinnen die Erfahrungsberichte aber erst dann an besonderem Wert, wenn sie einhergehen mit einer systematischen und methodisch kontrollierten Beobachtung. Eine Einschätzung, die ebenso für die Entwicklung von Curricula, die Evaluation von Unterricht oder die Erstellung von Lehrmaterialien gilt. Auf dem Symposium wurde die Meinung vertreten, dass man derartige Tätigkeiten nicht als unwissenschaftlich verbrämen sollte, da sie zum Arbeitsalltag der meisten Germanistinnen und Germanisten in Japan gehörten. Diese Einstellung veranschaulicht unseres Erachtens das Kernproblem der Debatte. Weil viele sich mehr oder weniger gezwungenermaßen mit dem Deutschunterricht „ihr tägliches Brot verdienen“, wie jemand es bezeichnete, wird verkannt, dass man sich mit dieser Tätigkeit wissenschaftlich beschäftigen kann. Die bedauerlichen Folgen dieser Situation lassen sich sehr gut am Beispiel des Lehrbuchmarktes in Japan demonstrieren.

Während sich die Zahl der Titel kaum überblicken lässt, trifft man in den öffentlich zugänglichen Publikationen nur sehr selten auf Artikel, in denen sich Lehrbuchautorinnen und -autoren mit den theoretischen Grundlagen ihrer Produkte auseinandersetzen, und noch weniger Artikel widmen sich der Wirkungsforschung. Das heißt, es bleibt vollkommen ungewiss, wie diese Lehrmaterialien im Unterrichtsalltag tatsächlich wirken; ob sie überhaupt Lernen ermöglichen und unterstützen oder es eher behindern. Es liegt auf der Hand, dass derartige Fragen wissenschaftliche Herangehensweisen erfordern, welche aber wiederum voraussetzen, dass man sich auf die Disziplin einlässt und deren bisherige Arbeit rezipiert.

Die auf dem Symposium vorgebrachte Kritik von außen liefert unseres Erachtens wichtige Impulse für die weitere Profilbildung der wissenschaftlichen Disziplin DaF in Japan. DaF-Forschende sollten sich ihr offensiv stellen, beispielsweise indem sie gemeinsam Standards für ihr Arbeitsgebiet entwickeln. Dann wird man die Disziplin ernster nehmen müssen, als bisher geschehen, und zugleich die neuen Perspektiven wahrnehmen, die sie der krisengeschüttelten japanischen Germanistik eröffnet.

Schart, Michael & Hoshii, Makiko (2004). Die wissenschaftliche Disziplin Deutsch als Fremdsprache in Japan ・Blick auf eine Forschungslandschaft. Deutschunterricht in Japan 9, 4-20.

Michael Schart und Makiko Hoshii

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Sprachkurse in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Im Lektorenrundbrief Nr. 24 habe ich bereits die Grundidee einer Umfrage zu Sprachschulen im deutschsprachigen Raum erläutert, wie mit möglichst geringem Aufwand die Erfahrungen von eigenen Studenten allen zugänglich gemacht werden können. Als Reaktion erhielt ich Hinweise zur Gestaltung des Fragebogens, die in eine neue Version des Fragebogens eingeflossen sind. Till Weber ließ seine Kontakte spielen und sammelte von Kollegen Berichte zu einzelnen Sprachschulen über deren Erfahrung als Lehrende an diesen Schulen bzw. als Betreuer von dort lernenden Studenten. Diese Berichte sollen in loser Folge in den folgenden Lektorenrundbriefen erscheinen. Es wäre schön, wenn es noch weitere kleine Erfahrungsberichte zu Sprachkursen im deutschsprachigen Raum gäbe, die im Lektorenrundbrief erscheinen könnten. Es ist im Übrigen geplant, die hier vorgestellten Ergebnisse in detaillierterer Form ins Internet zu stellen, wo sie auch kontinuierlich ergänzt und aktualisiert werden können. Unter http://www.deutsch-in-japan.de/sprachkurse.html wurde eine entsprechende Web-Seite provisorisch eingerichtet.

Institution Meldungen Dauer Beurteilungen
Ss International House Freiburg 1 6 Wochen gut
Ss Euro-Center Köln 1 2 Wochen gut
Ss Sprachdienst Konstanz 1 1 Monat (Sommer) es ging
Ss Kapito Münster 3
4 Wochen(Sommer)
3 Wochen (Frühjahr)
2 x gut
1 x es ging
UK Bayreuth 2 1 Monat 2 x gut
UK Bonn Sommerkurs 3 1 Monat (2)
3 Wochen (1)
1 x gut 1 x es ging
1 x gut
UK Bonn Frühjahrskurs 1 5 Tage 1 x es ging
UK Duisburg-Essen 6 1 Monat 5 x gut, 1x es ging
UK Freiburg 1   1 x es ging
UK Heidelberg 2 1 Monat 1 x gut 1 x es ging
UK Klagenfurt 1 3 Wochen 1 x gut
UK München 1 1 Monat gut/es ging
UK Wien 1 1 Monat 1 x gut
UK Wien (Musik) 1 2 Wochen 1 x gut

Einige Schwächen des zugrunde liegenden Fragebogens wurden schon im Lektorenrundbrief beschrieben und für die diesjährige Umfrage behoben. Auf die Angabe der Unterrichtskosten, an die sich die Befragten sowieso nur ungenau erinnern und die sich jährlich ändern, sei hier auch aus Platzgründen verzichtet. Bei einer Internetversion können die Kosten über Links zu der jeweiligen Institution in Erfahrung gebracht werden. Die Kosten für die Unterkunft sind nicht immer ersichtlich und sollten deshalb nur unter Vorbehalt dargestellt werden.

Welche Schlüsse lassen sich nun aus dem bisher Erfahrenen ziehen? Zum Ersten beurteilen die meisten Studenten ihre Erfahrungen positiv (von 45 Meldungen antworteten 10 mit „es ging“ und nur eine Person mit „schlecht“) und dies unabhängig davon, ob es sich um ein Goethe-Institut, einen universitären Sommerkurs oder eine Sprachschule handelte. Es lässt sich allerdings feststellen, dass bei einer großen Zahl von Japanern im Unterricht oder in der Unterkunft die Zufriedenheit ein wenig abnimmt. Japanische Teilnehmer wählten meist die Unterkunftsangebote der Veranstalter bzw. Unterrichtsangebote mit Unterkunftsmöglichkeiten, und waren damit auch mehr oder weniger zufrieden. Meist wird ein Rahmenprogramm angeboten, aber dessen Vorhandensein oder Umfang scheint keinen großen Einfluss auf die Beurteilung des Unterrichts zu haben.

Die große Schwäche dieser Umfrage ist die geringe Zahl der Meldungen. Es handelt sich meist nur um eine einzige Meldung, die nicht unbedingt für die jeweilige Schule repräsentativ ist. Der eine Student kann mit einem Unterricht voll zufrieden sein, während ein anderer seine Erwartungen an den gleichen Unterricht nicht erfüllt sieht. Der eine Student kann mit seiner Homestay-Familie Pech haben, während sie anderen zum wahren Familienersatz werden kann. Mit wenigen Rückmeldungen kann also kein ausgewogenes Meinungsbild geschaffen werden.

Daher gilt der Aufruf an alle Kolleginnen und Kollegen, weitere Studentenaussagen zu obigen und weiteren Lehreinrichtungen zu sammeln und an mich oder an die Redaktion weiterzuleiten. In gewissen Abständen kann dann diese Aufstellung im Internet ergänzt und aufgefrischt werden und so zu einer Entscheidungshilfe bei der Wahl einer Lehreinrichtung im deutschsprachigen Raum werden.

Hier kann der Fragebogen zu den Deutschkursen runtergeladen werden:

Der Fragebogen als PDF-Dokument (65 KB)
Der Fragebogen als Word-Dokument (74 KB)

Sven Holst (holst@fwu.ac.jp)

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Didaktikecke

Podiumsdiskussion

Wer an japanischen Hochschulen Deutsch unterrichtet, weiß es: die Streitkultur in Japan unterscheidet sich grundlegend von der unsrigen. Die japanischen Studentinnen und Studenten sind es einfach nicht gewohnt, ihre Meinung in einem offenen Forum zum Ausdruck zu bringen und noch weniger, sie durch logisches Argumentieren gegen andere Ansichten zu verteidigen. Der gut gemeinte Versuch, mit den Studierenden eine lebhafte Diskussion in Gang zu setzen, ist denn auch meist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Schweigen und gesenkte Blicke sind oft die einzigen Antworten auf die Bitte um Meinungsäußerung. Aufgeben? Ich wollte mich nicht so schnell geschlagen geben und brütete über einer Möglichkeit, das Diskutieren zu üben. Die sich in den letzten Jahren zunehmend bewährende Simulationsmethode schien mir ein geeigneter Weg, die persönlichen Hemmschwellen zu überwinden. Und eines Tages hat es dann tatsächlich geklappt: Meine Studenten (im dritten Jahr Deutsch) inszenierten eine Podiumsdiskussion zum Thema „Gewalt imn Fernsehen“. Geladen waren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen.

Methode: Die Studenten schlüpfen in die Rolle von Personen mit einer spezifischen Meinung.

Ziel: Angestrebt ist keine reale Diskussion, sondern die Simulation einer Podiumsrunde mit fiktivenvirtuellen Diskussionspartnern.

Allgemeine Einführung: Der Lehrende führt die Redemittel zur Diskussion ein (das Wort ergreifen, widersprechen, Zweifel anmelden, zustimmen etc.). Hilfreich sind Textbeispiele für Diskussionen bzw. Video- oder Audioaufnahmen gestellter oder realer Diskussionen.

Diskussionsvorbereitung: Jede Gruppe erhält eine Personenkarte. Zur Auswahl stehen:

Jede Gruppe spricht zunächst über die Lebenssituation ihrer jeweiligen Person, macht sich Gedanken über charakterliche Eigenheiten (temperamentvoll, konservativ, vernünftig, aggressiv, geduldig, höflich, frech etc.) und sucht dann nach einer Meinung und nach Argumenten, um diese Meinung zu stützen, wobei die Informationen in den Klammern vor allem bei den ersten Diskussionsversuchen eine wichtige Unterstützung sind. Meiner Erfahrung nach ist es hilfreich, wenn sich die Studenten zunächst auf japanisch Japanisch beraten können (10 Minuten). Dann aber sollen sie ihre Punkte auf Deutsch aufschreiben (weitere 10 Minuten bzw. Hausaufgabe).

Die Diskussion:

Es gibt eine offizielle Begrüßung und eine Vorstellungsrunde. Die Diskussion gelingt am besten, wenn der Lehrende die Vorstellung einer realen Situation vermitteln kann. Die Kameras von NHK sind eingeschaltet. Bei einem ersten Versuch ist es sinnvoll, dass der Kursleiter die Moderation übernimmt. Wenn die Teilnehmer mehr Übung haben, kann auch ein Student die Diskussion leiten. Die Studenten einer Gruppe schlüpfen abwechselnd in die Rolle ihrer Person. Die Reihenfolge der Diskussionsbeiträge spielt keine Rolle. Ein Teilnehmer einer Personengruppe beginnt mit der Darstellung der Situation der jeweiligen Person und äußert ihre Ansicht zum Thema. Wenn möglich, sollen dabei die persönlichen Charakterzüge mit zum Ausdruck gebracht werden, d.h. der Teenager darf durchaus frech sein, der Fernsehproduzent aggressiv usw. Der Moderator fordert dann den Teilnehmer einer anderen Personengruppe auf, dazu Stellung zu nehmen. Mit ein bisschen Glück beginnen die Studenten im Laufe der Diskussion, von selbst das Wort zu ergreifen.

Ergebnis:

Das Verfahren hat sich erstaunlich gut bewährt und kann natürlich auf jedes beliebige Diskussionsthema übertragen werden. Natürlich kann man hierbei nicht von einer freien Diskussion sprechen. Die Identifikation mit einer anderen Person aber hilft, über die eigene Hemmung zur Meinungsäußerung hinwegzukommen, und im Anschluss an eine solche simulierte Diskussion fällt es den Studierenden oft leichter, ihrer eigenen Meinung über das Thema Ausdruck zu verleihen. Eine sinnvolle Erweiterung ist es deshalb, in der nächsten Unterrichtseinheit das Thema noch einmal aufzugreifen und eine „echte“ Diskussion anzuregen. Ob dies dann auch funktioniert, hängt sehr von den einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ab. Einen Versuch ist es aber allemal wert.

Eva Ottmer

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Rezension

Wien spielerisch durchschauen

Gillz, Dagmar / Reisinger, Klaus / Stangl, Andrea / Lyon, Dirk (2002): Wien spielerisch durchschauen. Materialien zur österreichischen Landeskunde für den Unterricht aus Deutsch als Fremdsprache. Wien: Verlag Jugend & Volk
(Buch, CD, CD-ROM, Spiel: Euro 21,80; zu beziehen über den Verein zur Förderung multikultureller Kommunikation per E-Mail an: andrea.stangl@kulturundsprache.at)

Das Spielmaterialpaket Wien spielerisch durchschauen richtet sich an Lehrende und Lernende gleichermaßen, die sich – etwa im Landeskundeunterricht – mit Wien beschäftigen möchten, einen Wien-Aufenthalt planen, Hintergrundwissen über die österreichische Hauptstadt erwerben oder ihre bereits guten Wiener Ortskenntnisse erweitern wollen. Dabei erweisen sich die einzelnen Elemente des Materialpakets als didaktisch sinnvoll miteinander verknüpft.

Das Buch mit seinen kopierfreundlichen DIN-A-4-Arbeitsblättern gliedert sich in drei – abhängig vom Lernersprachniveau – aufsteigende Hauptkapitel (I: S. 9-22; II: S. 23-52; III: 53-79), die sich am „Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen“ (A2, B1, B2/C1) orientieren. Diese drei Hauptkapitel sind ihrerseits in mehrere Unterkapitel unterteilt (I: Alle Wege führen nach Wien, Rund um die City, Wiener G’schichten; II: Wien in Bewegung, 24 Stunden in Wien, Reise nach Wien, Wien-Quiz; III: Rund um den Steffi, Kunststile, Wien von A-Z, Wienerisch von A-Z, Wer war das?, Das Wiener Kaffeehaus, Wien-Geschichte meterweise, Wien de/zitiert). Daran schließt sich ein ausführliches Kommentarverzeichnis mit Basisinformationen zur Benutzung des Arbeitsbuches an, u.a. mit einem kompletten Lösungsschlüssel und didaktischen Hinweisen zum vom Autorenkollektiv empfohlenen Offenen Lernen.

Die CD ergänzt das Buchmaterial mit Hörbildern, kurzen abgeschlossenen literarischen Texten, Interviews und Musikstücken. Als weiteres Begleitmaterial wird eine CD-ROM angeboten, die aus dem Schülerprojekt Wien ist anders an der HTL (Höhere Technische Lehranstalt) Wien-Donaustadt hervorgegangen ist. Den an diesem Projekt beteiligten Wiener Schülern ist es tatsächlich gut gelungen, ein solches Bild ihrer Stadt zu zeichnen, das die Neugier auf Wien unter DaF-Lernenden nachhaltig zu steigern vermag. Zudem soll die CD-ROM die Lernenden dazu anhalten, ihre Internetrecherche zu Wien eigenständig fortzusetzen, um u.a. die damit einhergehende Medienkompetenz zu vertiefen.

Ein Brettspiel (zwei identische Exemplare) und die 132 Fragekärtchen (mit umseitiger Antwort) beziehen sich thematisch auf das Arbeitsbuch, ja ergänzen sogar durch weiterführende und detailliertere Informationen die Arbeitsblätter. Es handelt sich um ein Lernspiel, das nicht ausschließlich auf reines Abfragen von Wissen, sondern bewusst auf den Erwerb neuen Wissens ausgerichtet ist. Neben dem Lernen, Wiederholen und Festigen von Inhalten will dieses Lernspiel dazu motivieren, sich mit weiterführenden Themen zu beschäftigen. Schließlich handelt es sich auch um ein Ratespiel, bei dem die DaF-Lernenden mithilfe von Weltwissen, Lebenserfahrung, und Kombinationsgabe nicht selten zu richtigen Antworten kommen können.

Was mir persönlich als bekennendem und leidenschaftlichem Anhänger autonomen Lernens dieses Wiener Spielepaket besonders sympathisch macht, ist die ausdrückliche Spielanleitung der Autoren, landeskundlichen Fragestellungen im DaF-Unterricht „spielerisch zu begegnen“ und auf diese Weise „eine fremde Lebenswelt (...) und zugleich sich selbst und die eigene Lebenswelt kennen zu lernen“ (S. 80). Mit einer Reihe konkreter Arbeitsvorschläge regen die Autoren zu fächerübergreifendem und projektorientiertem Arbeiten sowie zu autonomem Lernen im Team an (vgl. ebd.). Ich pflichte den Autoren durchaus bei, dass diese Lernformen einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung und Förderung der heutzutage so sehr beschworenen Schlüsselkompetenzen (Fach-, Kommunikative, Interaktionelle, Soziale und Interkulturelle Kompetenz) zu leisten imstande sind (vgl. ebd.).

Aus eigener Unterrichtserfahrung mit Wien spielerisch durchschauen stellen sich gewünschte Lernerfolge dann ein, wenn man im Vorfeld der Beschäftigung mit dem hier besprochenen landeskundlichen Lernspiel eine zumindest grobe Materialvorauswahl anhand individueller Themenschwerpunkte und Sprachprogression der Lernenden trifft, was am ehesten im Rahmen einer Binnendifferenzierung erreicht wird. Da sich grundsätzlich nicht immer alle Lernenden gleichzeitig mit identischen Lerninhalten beschäftigen müssen und sich die einzelnen Arbeitsangebote des Materialpakets dazu eignen, etwa im Rahmen eines Hauptthemas ・z.B. Wien ・zeitgleich unterschiedliche Fragestellungen zu bearbeiten, bieten sich offenere Lernformen wie Lernwerkstatt, Stationenlernen bis hin zum Projekt ausdrücklich an.

Zwar existieren m.W. bereits ähnlich konzipierte landeskundliche Lernspiele für deutsche Städte wie Bonn (Stein 2003) und Dortmund (Hanson / Päppelbaum 2003), allerdings eignet sich insbesondere aufgrund der Medienvielfalt des Materialpakets keines so sehr für einen didaktisch aufbereiteten Einsatz im DaF-Unterricht wie Wien spielerisch durchschauen.

Literatur: Hanson, Thorsten / Päppelbaum, Yvonne (2003): Das Dortmund Quiz. 648 Streifzüge durch die Stadt. Bochum: Biblioviel Verlag. Stein, Barbara (2003): Bonn für Kinder (inkl. Arbeitsheft). Bonn: Bouvier Verlag.

Guido Oebel (oebel@cc.saga-u.ac.jp)

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Termine und Hinweise

Kurz Informiert

www.wadoku.de

Das ist ein Online-Wörterbuch Japanisch - Deutsch und umgekehrt, mit vielen Stichwörtern, Redewendungen usw., das man sogar runterladen und offline verwenden kann. (http://bunmei7.hus.osaka-u.ac.jp/download.htm) Es ist vielleicht besonders interessant, weil es in Japan Deutsch - Japanische Wörterbücher wie Sand am Meer gibt, aber wenig Japanisch - Deutsche.

 

Internet-Rechtschreibhilfe

http://www.ids-mannheim.de/reform/oder direkt http://www.ids-mannheim.de/reform/wort-m.html

 

Zur Umlegung des E-Forums auf einen anderen Server

oder: Alter Wein in neuem Schlauch

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

manche von Ihnen waren vielleicht selbst einmal von den Tücken unserer Mailingliste (E-Forum) betroffen. Das An- und Abmelden von Adressen klappte in den letzten Jahren nur noch sporadisch. Hilfefunktionen und Ähnliches waren gar nicht mehr zugänglich. Als Verwalter der Lektorenhomepage (LHP) erreichten mich immer wieder diesbezügliche Anfragen, obwohl die LHP organisatorisch eigentlich gar nichts mit der Mailingliste zu tun hat, außer dass man auf ihr Informationen dazu findet. Also musste ich den von Pannen Betroffenen leider immer sagen, dass ich auch nicht weiterhelfen könne ・dass ich aber auch niemanden benennen könne, der unmittelbar für die Organisation der Mailingliste zuständig ist. Insgesamt war dies eigentlich ein unbefriedigender Zustand.

Da über den Server der LHP auch die Option besteht, Mailinglisten einzurichten, habe ich mir erlaubt, die Initiative zu ergreifen, und eine neue Mailingliste eingerichtet. Ich habe den Teilnehmern der bisherigen Liste vorgeschlagen, sich bei der neuen Liste anzumelden, um somit eine Umlegung der Liste auf einen neuen Server zu vollziehen. Der Vorteil dieser Umlegung besteht für alle Beteiligten darin, dass es mit mir nunmehr eine konkrete Anlaufstelle gibt, wenn es einmal zu Pannen beim automatischen An-, Ab- oder Ummelden kommen sollte

Bis Ende Juli haben sich etwa 50 Teilnehmer am neuen E-Forum angemeldet. Bisher lief auch alles reibungslos. Wer also irgendwann einmal aus dem alten Forum ausfgrund technischenr Gründen rausgeflogen (Stichwort: elektronisches Scherbengericht) ist oder aus nämlichen Gründen gar nicht erst hineingekommen ist, hat nunmehr die Gelegenheit, sich im Forum auf dem neuen Server anzumelden, um auch diese Informationsquelle und Kommunikationsplattform zu nutzen.

Informationen zur Mailingliste: http://www.deutsch-in-japan.de/mailingliste.html
Adresse des neuen E-Forums: e-forum@deutsch-in-japan.de
Anmeldung auf die Liste mit: e-forum-subscribe@deutsch-in-japan.de
Abmeldung von der Liste mit: e-forum-unsubscribe@deutsch-in-japan.de
Hilfefunktion: e-forum-help@deutsch-in-japan.de
Für den Notfall: e-forum-owner@deutsch-in-japan

Frank Mielke

 

Lust auf Unterrichtsbesuche oder Hospitation?

Kein Forschungsvorhaben, sondern eine Idee zur Steigerung der Motivation zum Deutschlernen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wer von Ihnen/euch einmal mit in Kashi war, wo alljährlich einmal im Frühling fünftägig Intensiv-Deutschkurse auf verschiedenen Niveaustufen angeboten werden, war gewiss begeistert. Diese Begeisterung bezog sich zum einen vermutlich auf die Idee, den Studenten einmal außerhalb des Unibereichs Deutsch als Unterrichtserlebnis darzubieten, zum anderen jedoch sicherlich auch auf die, den teilnehmenden Kollegen die Möglichkeit zur gegenseitigen Hospitation zu bieten. Meine Studenten zeigen sich immer sehr interessiert, wenn sich einmal ein aktiver Besucher in meinen Unterricht „verirrt“. (Aktiv heißt: jemand, der auf die Studenten eingeht, sich bei Partnerarbeiten mit in eine Gruppe einfügt etc.) Die liebsten Besucher sind den Studenten die, die sie als ebenbürtig empfinden, also keine Lehrerkollegen. Doch an solche Besucher kommt man in der Regel etwas schwieriger heran. Und nicht jeder Muttersprachler ist frei und unbefangen im Umgang mit Deutschlernern, die sich ja in der Fremdsprache Deutsch zumindest in den unteren Klassen noch nicht fließend artikulieren können.

Von besonderem Interesse auf Studentenseite dürften sicherlich neben Besucher-Kumpeln auch Besuche von Firmenvertretern sein. Deshalb die Bitte: Diese Idee ruhig weiterflüstern. Schließlich ist der Plan entstanden, die Idee zu Unterrichtsbesuchen und Hospitationen ins Internet zu stellen. Dankenswerterweise hat Frank Mielke die technischen Voraussetzungen geschaffen und damit für eine unkomplizierte Kommunikation der Besuchswilligen und der Gastfreundlichen gesorgt.

Und so wird’s gemacht: Man erreicht die Initiative Unterrichtsbesuche über die Seiten „AGs und Projekte“ und über „Neues“ auf der Lektorenhomepage oder direkt unter http://www.deutsch-in-japan.de/besuche.html

Sollte es mit der Anmeldung Probleme geben, bitte bei Elke Hayashi unter hayas-mh@sophia.ac.jp melden.

Liebe Interessierte, warten wir nicht mehr länger ab und raufen uns die Haare ob der sinkenden Studentenzahlen im Bereich Deutsch. Halten wir es doch lieber mit Toyota: „Nichts ist unmöglich“ und ergreifen die Initiative. Wenn jeder von uns sich auch nur ein bis zweimal pro Semester an dieser Initiative beteiligt, werden die japanischen Studenten die deutsche Sprache nicht mehr als bloßen Unterrichtsgegenstand begreifen, sondern allmählich mit Deutsch den Kontakt zu Muttersprachlern verbinden. Ich selbst habe mich direkt als Besucherin zur Verfügung gestellt und muss gestehen, die positive Reaktion der Studierenden übertraf meine kühnsten Erwartungen.

Übrigens sind bereits einige Kollegen außerhalb dieser Initiative auf diese Idee eingegangen. Das ist natürlich genauso gut möglich und ebenso sinnvoll. Die von mir initiierte „Besucher-Liste“ soll ausschließlich der einfacheren Kommunikationsherstellung unter den Interessierten dienen und erhebt darüber hinaus keinerlei weitergehende Ansprüche. Sicherlich ist es denkbar, dass in dem ein oder anderen Fall der Wunsch nach Beteiligung an einem Forschungsvorhaben im Vordergrund steht. Dies sollte auf jeden Fall im Vorfeld geklärt und die ausdrückliche Einwilligung der/des Besuchten eingeholt werden.

Allen potenziellen Beteiligten gutes Gelingen wünscht
Elke Hayashi, Sophia Universität, Abteilung Fremdsprachenerziehung für Hörer aller Fakultäten (Ippan Gaikokugo Kyoiku Center)

 

SLF-Werkstatt Nordjapan: 2. SLF-Fachworkshop

Das Abenteuer der Lehrbuchbenutzung beginnt mit einem ersten Schritt!
Lehrwerkanalyse: Was sollten wir Lehrende und LehrbuchautorInnen über Lehrbuchinhalte wissen?

Ort: Fukushima Universität (Keizaigakubu-Gebäude, 2 F, großer Sitzungssaal)
Zeit: Samstag, 24. September 2005 9:30 Uhr – 17:00 Uhr

Liebe KollegInnen,

wenn es Ihnen auch so geht, dass

dann sind Sie bei unserer Veranstaltung genau richtig und herzlich eingeladen mitzumachen!

Nach einer Kurzeinführung in die Teilgebiete erhalten die TeilnehmerInnen im ersten Teil der Veranstaltung die Möglichkeit, in Kleingruppen mit den ExpertInnen über Einzelaspekte der Lehrwerkentwicklung zu diskutieren. Im zweiten Teil am Nachmittag werden u.a. Lehrwerke, die bereits in Japan zum Einsatz gekommen sind, von ihren AutorInnen vorgestellt. Danach kommen wir in einer gemeinsamen Schlussrunde auf Perspektiven für DaF-Lehrbücher zur bei der Benutzung in Japan zu sprechen.

Info:
http://tiki.gunskevonkoelln.com/tiki-index.php?page=Workshop+Lehrwerkanalyse

Kontakt:
Martina Gunske von Kölln Fukushima-Universität
JAPAN, 960-1296 Fukushima-shi, Kanayagawa 1
Tel./Fax: (Int./81) 024-548-8392 (Durchwahl)
Email: http://martina.gunskevonkoelln.com/contact

 

Veranstaltungshinweise im Internet

auf der Homepage der Lektoren in Japan: http://www.deutsch-in-japan.de

Den Veranstaltungskalender für das Deutschlandjahr finden Sie (auf Deutsch und auf Japanisch) unter: http://www.doitsu-nen.jp/

Informationen zu DAAD-Stipendien und anderen DAAD-Programmen sowie Bewerbungsunterlagen finden Sie unter
http://tokyo.daad.de/japanese/jp_index.htm (für Japaner) und unter
http://tokyo.daad.de/german/de_index.htm (für Deutsche)

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Termine 2005

Aug. / Sept. Kobe / Hyogo „Windenergie“: Engelbert – Kämpfer – Sommerschule 2005, geschlossene Veranstaltung, Info beim Projektleiter: Prof. Constantin Kinias (FH Kiel), kinias@ergoTOP.de
02. Sept. 15.00 – 17.00 Uhr  Univ Tokyo, (Hongo) Literarische Fakultät, Raum 1: Gute Gründe zum Deutschlernen. Vortrag Prof. Ludwig M. Eichinger, Präs. d. IDS, Mannheim mit japanischer Simultanübersetzung, offene Veranstaltung, Info bei Anne Gellert (gellert@daadjp.com
05. – 17. Sept. Staatliche Universität Nagasaki, „Nachhaltiges Wirtschaften in Deutschland und Japan“, Akademische Sommerschule geschlossene Veranstaltung, Info bei der Projektleiterin: Prof. Gesine Foljanty-Jost, Martin-Luther-Univ. Halle-Wittenberg, Sem. f. Japanologie
24. Sept. Fukushima (Details vgl. S. 15) 2. SLF-Fachworkshop, offene Veranstaltung, Info bei: Martina Gunske von Kölln, http://martina.gunskevonkoelln.com/contact 
Ende Sept. DAAD-Außenstelle Tokyo Bewerbungsschluss DAAD-Studien- und Forschungsstipendien 2006 Info unter: http://tokyo.daad.de/german/de_index.htm 
01. Okt. www.doitsu-go.jp Start des Internet-Gewinnspiels für in Japan wohnhafte Deutschlerner, auch Anfänger.
Info bei Anne Gellert (gellert@daadjp.com
04. / 05. Okt. Universität Tokyo „Frontier Sciences – Beiträge Japans und Deutschlands zur grenzüberschreitenden Forschung in den Natur- und Ingenieurwissenschaften“, Bilateraler Workshop, offene Veranstaltung, Info bei Dr. Edmund Cmiel (Cmiel@zv.tum.de), Herrn Prof. Nakamura (nakamura@ynl.t.u-tokyo.ac.jp) und Frau Sekiguchi (s-keiko@adm.u-tokyo.ac.jp),  
06. / 07. Okt. Universität Kyoto „Frontier Sciences – Beiträge Japans und Deutschlands zur grenzüberschreitenden Forschung in den Natur- und Ingenieurwissenschaften“, Bilateraler Workshop, offene Veranstaltung, Info bei Dr. Edmund Cmiel (Cmiel@zv.tum.de), Prof. Araki (araki@kuee.kyoto-u.ac.jp) oder Prof. Sawaragi (sawaragi@mta.biglobe.ne.jp)  
08. Okt. Doshisha Universität, Kyoto: Treffen deutschsprachiger Hochschullehrer und -lehrerinnen, geschlossene Veranstaltung, Anmeldung erforderlich, Info bei Anne Gellert (gellert@daadjp.com
09. /10. Okt. Doshisha Universität, Kyoto: “Rituale des Verstehens – Verstehen der Rituale“ Herbsttagung der JGG und IV. Internationales Kolloquium mit dem Beirat Germanistik des DAAD, Anmeldung erforderlich, Info unter http://wwwsoc.nii.ac.jp/jgg/ und bei Anne Gellert (gellert@daadjp.com
10. Okt. Doshisha Universität, Kyoto: Verleihung des Grimm-Förderpreises an Frau Prof. Aeka Ishihara. Anmeldung erforderlich, Info bei Anne Gellert (gellert@daadjp.com
20. Okt. OAG-Haus, Tokyo: Schiller-Konzert, Prof. Konrad Richter (Geidai) und DAAD-Tomonokai, offene Veranstaltung, Info bei Frau Seki (daadseki@mte.biglobe.ne.jp
29. / 30. Okt. Sophia Universität, Tokyo: “Die deutsche Tradition der Universalwissenschaften“ Humboldt-Kolleg, offene Veranstaltung, Anmeldung erforderlich, Info bei Herrn Prof. Kimura (naoji-k@hoffman.cc.sophia.ac.jp)
01. Nov. Goethe-Institut Kyoto: Lernen lernen – Wie man sich und anderen das Lernen leichter machen kann. Workshop mit Prof. Karin Kleppin (Universität Bochum), offene Veranstaltung, Unkosten 1.000 Yen, Anmeldung bis 18. Oktober 05, Info bei Frau Kimura, GI Kyoto (pv@kyoto.goethe.org)
03. - 06. Nov. Deutsches Haus, Naruto, Shikoku: “Wie konzipiert man eine motivierende Unterrichtseinheit?“ Lektorenfachseminar mit Prof. Dr. Karin Kleppin, geschlossene Veranstaltung, Info bei Anne Gellert (gellert@daadjp.com
15. Nov. Universität Saga DIESER TERMIN WURDE GESTRICHEN!! ALSO KEINE TestDaF-Prüfung. Info unter: http://www.testdaf.de/ > Testzentren >Testzentren weltweit  
Herbst / Winter DAAD Tokyo 5. DAAD-Fortbildungstag für deutschspr. Hochschullehrer, offene Veranstaltung, Anmeldung erforderlich, Info bei Anne Gellert (gellert@daadjp.com)  

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Stand: 28.8.05 rd