Rundbrief Nr. 29 (Dezember 2006)

Artikel

Rezension

 

Didaktikecke

 

Termine und Hinweise

Editorial

 Liebe Leserinnen und Leser,

Der Herbst bringt viele Früchte. So haben auch wir in etwas verkleinertem Kreis wieder Ideen und Berichte zu Aktivitäten der deutschsprachigen LektorInnen in Japan zusammengetragen und mit etwas anderem layout für Sie zusammengestellt.

Sind Sie auch Mitglied im E-Forum? Dann konnten Sie in letzter Zeit wieder spannende Diskussionen erleben zu Fragen nach der Bedeutung des Plurals im Deutschen, zu den Bezugsmodalitäten deutschsprachiger Filme, zur "Maus" in Japan oder zu gefährlichen Lehrmethoden wie z. B. HDL, oder war es LDL, LDP, LSD – nein, ich glaube die Taste klemmt. In dieser Ausgabe des Lektorenrundbriefs werden Ihnen einige dieser Themen wieder begegnen.

Auch ohne Großereignisse wie das Deutschland-in-Japan-Jahr oder die Fußball-WM gibt es viel zu berichten, wie die ungewöhnlich dicke 29. Ausgabe des Lektorenrundbriefs zeigt. Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre, vor allem aber ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Die Redaktion

>>> Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Artikel

Das Ortslektorenkolloquium in Berlin 2006

Im Sommer organisierte der DAAD eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Interkulturelle Erinnerungsarbeit: Der Nationalsozialismus als Thema im DaF-Unterricht.“ Formale Voraussetzung für die Teilnahme war, dass man bereits Erfahrung mit der Vermittlung historischer Themen hatte. 21 deutsche Lehrende aus acht Ländern trafen sich schließlich vom 12. bis 16. Juli in Berlin, um über die Möglichkeiten zu diskutieren, wie man das Thema „Drittes Reich“ in den DaF-Unterricht integrieren kann. Mit insgesamt sechs Kolleginnen und Kollegen stellten die „Italiener“ die größte Gruppe. Mehrere Teilnehmer/-innen kamen auch aus Finnland, Japan und den USA (je 3) sowie aus Großbritannien und der Türkei (je 2). Daneben waren eine Kollegin aus Dänemark sowie ein Kollege aus Frankreich in der Hauptstadt dabei.

Donnerstag bis Samstag begann der Tag jeweils mit Gastvorträgen, die von Uwe Koreik (Bielefeld) und Sabine Moller (Oldenburg) und Andreas Kelletat (Mainz) gehalten wurden. Während der erste Vortrag ganz im Zeichen der Einführung in das Thema stand, verglich Frau Moller in ihrem Beitrag die familieninterne und die allgemeingesellschaftliche Erinnerungskultur. Diskutiert wurde im Anschluss daran die Frage nach der Aussagekraft der auf einer relativ schmalen Grundlage basierenden Untersuchung. Es scheint hierbei nötig zu sein, streng zwischen Geschichten und Geschichte zu trennen. Vor allem der Vortrag am Samstag zum Thema „Ist ein gemeinsames europäisches Erinnern überhaupt möglich?“ gab Anlass zu kontroversen Debatten, in denen es nicht zuletzt um die Frage ging, in wie weit ein salopper Umgang mit der deutschen Sprache beim Thema „Drittes Reich“ akzeptabel ist.

Nach dem täglichen Gastvortrag fand die eigentliche Auseinandersetzung mit dem Thema in den Arbeitsgruppen statt. Dabei konnte man unter folgenden Angeboten wählen:

In Workshop A, der durchgehend von Donnerstag bis Samstag lief, wurden Interviews mit Museumsmitarbeitern vorbereitet, durchgeführt und aufgezeichnet, d.h. die Teilnehmer waren nachmittags meist unterwegs. Workshop B fand ausschließlich am Donnerstag statt. Hier ging es um Fragen der Vermittlung historischer Kenntnisse. In Kleingruppen wurden verschiedene didaktische Konzepte daraufhin untersucht, ob sie im DaF-Unterricht bzw. konkret bei der Behandlung des „Dritten Reiches“ im Ausland geeignet sind. Außerdem wurden auf dieser Basis einige Unterrichtsentwürfe entwickelt und diskutiert.

Die Workshops C und D fanden am Freitag und Samstag parallel statt. Während sich die „D“ Gruppe mit dem Film „Der Untergang“ beschäftigte und sich Gedanken zu dessen möglicher Verwendung im Unterricht machte, ging es in „Workshop“ C um die Frage des Lernziels. Insbesondere hier wurde deutlich, dass es aufgrund der unterschiedlichen gesellschaftlichen und akademischen Hintergründe bzw. Umstände (fast) unmöglich ist, allgemeingültige Vorgaben zu formulieren. Nicht umsonst beschäftigten wir uns – wegen des heißen Wetters z.T. im Innenhof des Tagungsortes – mit Stereotypen und Vorurteilen.

Das vom DAAD gebuchte Hotel am Kurfürstendamm war angenehm, wobei das reichhaltige Frühstück(sbuffet) immer wieder Gelegenheit bot, sich auch mit denjenigen auszutauschen, die in anderen Arbeitsgruppen waren und die man daher seltener zu Gesicht bekam. Hier ebenso wie bei den z.T. vom DAAD gesponserten gemeinsamen Mittag- bzw. Abendessen entwickelte sich eine gewisse Gruppendynamik der ca. 35 bis gut 60 Jahre alten Teilnehmer. Es wurde bei diesen und anderen Gelegenheiten immer wieder herzlich gelacht, was angesichts des doch eher bedrückenden Themas keineswegs selbstverständlich und daher umso erfreulicher war

Am Freitagabend hatte der DAAD zudem eine interessante Lesung mit der Berliner Autorin Tanja Dückers organisiert und am Samstagnachmittag besuchten wir das „Denkmal für die ermordeten Juden in Europa“. Die in Hörweite vonstatten gehende Loveparade 2006 beeinträchtigte zwar einerseits den kontemplativen Effekt des Denkmals, verdeutlichte aber andererseits exemplarisch dessen inhärente Interaktion mit der städtischen Umgebung, die auch durch die nach allen Seiten offene Struktur des Denkmals ihren Ausdruck findet. Nach einem Rundgang durch das Dokumentationszentrum unter dem Stelenmeer schloss sich eine Diskussion mit zwei Mitarbeitern an, die vor allem deutlich machte, was das Zentrum nicht sein will, nämlich eine vollständige Dokumentation des Holocausts.

Die intensiven Gespräche am Rande der Veranstaltung brachten viele fachliche und didaktische Anregungen für die eigene Arbeit. Dabei wurde allerdings auch klar, dass die Arbeits¬bedingungen in den verschiedenen Ländern (aber auch von Universität zu Universität im selben Land) sehr unterschiedlich sind und daher der Übertragung von Unterrichtsmethoden z.T. Grenzen gesetzt sind, die sich nicht leicht überwinden lassen.

Als Fazit kann man festhalten, dass es sich zweifellos lohnt, an einem Orstlektorenkolloquium teilzunehmen – zumal wenn das angebotene Thema zum persönlichen Interessengebiet passt! Neben dem heißen Wetter und der deshalb (von den „Japanern“) schmerzlich vermissten Klimaanlage am Tagungsort (Finnlandzentrum) beeinträchtige vor allem der – aus Sicht der Teilnehmer – etwas zu voll gepackte Zeitplan und der dadurch entstehende ständige Zeitdruck das ansonsten rundherum positive Gesamturteil. Zum Schluss muss noch die gute Organisation hervorgehoben werden, die in den Händen von Andrea Birk (Bologna), Uta Larkey (Baltimore) und Brigitte Reuter (Tampere) sehr gut aufgehoben war und von Susanne Lüdtke (DAAD) stets zuvorkommend unterstützt wurde.

P.S. Vielen Dank an Hans-Hartmut Gaethke und Till Weber für drei der vier Fotos

Christian W. Spang, chrspang(at)hotmail.com

>>> Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

 

Fortbildungsseminar für Ortslektoren

Der DAAD veranstaltete vom 14. bis zum 16. August in Bonn ein Fortbildungsseminar für Ortslektoren. Thema des in Zusammenarbeit mit dem Institut für Internationale Kommunikation Düsseldorf (IIK) gestalteten Workshops war „Internet im Unterricht Deutsch als Fremdsprache: Materialerstellung – Fachkommunikation – Blended Learning“. 22 Lektoren aus 13 Ländern nahmen an der Veranstaltung teil - von Estland bis Portugal, von Venezuela bis zum Oman. Die 4 „Japaner” waren nach den Teilnehmern aus Italien die zweitstärkste Teilnehmergruppe.

Unter der fachkundigen Leitung von Andreas Westhofen und Axel Huth vom IIK wurden uns Teilnehmern Methoden zur Computerrecherche sowie verschiedenen Computerprogramme zur Gestaltung von Unterrichtsmaterialen und zur Kommunikation vorgestellt. Wir konnten parallel dazu am PC die Programme installieren und gleich ausprobieren. Vorgestellt wurden u.a. IrvanView zur Optimierung von Grafiken und Fotos, Power Point, HotPotatoes zur Erstellung von interaktiven Online-Übungen, PDF-Creator und Online-Telefonieren mit Skype. Alle Daten dazu erhielt jeder sowohl auf einer CD, als auch in gedruckter Form.
Die Einheiten waren so gestaltet, dass auch Computerlaien den Vorführungen problemlos folgen konnten. Die Computer-Erfahrungen der einzelnen Teilnehmer waren jedoch ziemlich unterschiedlich, so dass einige schon mit den vorgestellten Programmen gearbeitet hatten und der technisch einführende Teil dann für diese Teilnehmer doch etwas lang war. Außerdem hatten die Applebenutzer teilweise Probleme bei der Umstellung auf Microsoft.

Der Schwerpunkt dieser Fortbildung lag eindeutig auf dem technischen Bereich. So wurde dann auch im abschließenden Gespräch deutlich, dass sich einige noch mehr Informationen zur praktischen Anwendung des Gelernten gewünscht hätten. Und der Einbau eines kleinen Projektes, bei dem man den Einsatz der gelernten Technik mal hätte erproben können, wäre sicherlich begrüßenswert gewesen. Aber dazu fehlte bei dem vollen Programm leider die Zeit.

Abschließend sei hierzu bemerkt, dass alleine schon die Datensammlung von Programmen, Adressen und Links zusammen mit der „Bedienungsanweisung“ sehr wertvoll ist, vor allem für diejenigen, die sich im Computerbereich nicht so gut auskennen.

Wichtig waren natürlich auch die kleinen Gespräche zwischendurch. Im Rahmenprogramm bot sich kurzfristig eine besondere Gelegenheit, nämlich die Besichtigung des berühmten, durch Hochwasser viele Jahre als Staatsruine brach liegenden, inzwischen jedoch renovierten und gut genutzten Schürmann-Baus, in die das Deutsche Welle – Radio eingezogen ist. Ein architektonischer und medien-politischer Höhepunkt, der durch die umsichtige Organisation von Susanne Lüdtke ermöglicht wurde, die auch während der ganzen Fortbildung stets der gute Geist war. Ganz herzlichen Dank dafür!

Die Abschlussdiskussion mit Berichten aus einigen Ländern zur Lage des Deutschunterrichts zeigte, dass wir als Vermittler der deutschen Sprache und Kultur doch mit ganz unterschiedlichen Anforderungen und Profilen arbeiten. Gerade dieser zeitlich sehr knappe Gedankensaustausch über die spezifischen Ländererfahrungen erwies sich als wertvoll und besonders wünschenswert.

Links für weitere Informationen:
IIK Homepage http://www.iik-duesseldorf.de
Meinungsaustausch zu den Fortbildungen unter http://www.iik-duesseldorf.de/infos/foren

Ute Schmidt (Meiji Gakuin), uschmidt(at)gen.meijigakuin.ac.jp

>>> Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

 

Bericht von der Zweiten DaF-Werkstatt Westjapan in Kurume

In Kurume (Kyûshû) fand vom 27.-29. Oktober 2006 die Zweite DaF-Werkstatt Westjapan statt zum Thema „Aus dem unterrichtlichen Tiefschlaf aufwecken – Die Methode „Lernen durch Lehren (LdL)“, vertreten durch den Gast von der Universität Eichstätt, Professor Jean-Pol Martin. Organisiert wurde dieses durch den DAAD geförderte Seminar von Guido Oebel, Stefan Buchenberger und Till Weber, Letzterer schon Mit-Initiator der Ersten DaF-Werkstatt im Dezember 2003 auf Okinawa. Aufgrund der terminlichen Kollision mit einem Ballonfahrer-Treffen und dem Besuch des Tennos in Saga war die DaF-Werkstatt an die Universität Kurume verlegt worden, wo vor Ort die gastgebenden Professoren Shimehashi Nobuo und Shimamura Kenichi die reibungslose Organisation unterstützten.

Die praxisorientierte Fortbildung war dafür ausgelegt, dass je zur Hälfte deutschsprachige und japanische Hochschullehrende teilnehmen. Jede/r war aufgerufen, sich mit einem 20-minütigen Vortrag oder einer Tischausstellung zu beteiligen (1: s. Download). In abwechselnden, zeitlich und thematisch ausbalancierten Blöcken präsentierten die Teilnehmenden an zwei Arbeitstagen überzeugende und gut durchdachte Unterrichtsvorschläge, mit denen sie ihre Lernenden zum Teil bereits mit LdL-nahen Arbeitsweisen „aus dem Tiefschlaf wecken“. (Teilnehmerstimme D: „... sehr gut organisiert, gute und sinnvolle Programmgestaltung und optimaler Tagungsaufbau“)

Der dynamische Gastreferent Jean-Pol Martin erläuterte die Methode LdL, wobei er uns Teilnehmende in die Lernerrolle versetzte und durch Partner- bzw. Gruppenarbeiten mobilisierte. Indem er uns bildhaft mit einem Gehirn verglich, dessen Neuronen interagieren, demonstrierte Martin das grundlegende Prinzip „Lerner-Aktivierung“ schon mit der Vorstellungsrunde, die durch unsere recht gegensätzlichen Standpunkte in Bezug auf LdL zu einer lebhaften Diskussion führte, während sich der Dozent zurückhielt. Die anschließende erste LdL-Demonstration, bei der anstatt eines Lehrers zwei „Lerner-Lehrer“ (aus der Gruppe der Teilnehmenden) ohne Vorbereitung die Einführung eines Französisch-Textes übernahmen, überzeugte uns zunächst jedoch nicht. Sie vermittelte zwar eines der LdL-Prinzipien, nämlich immer mindestens zu zweit zu arbeiten, um sich auszutauschen und sicherer zu fühlen, doch das allgemeine Urteil war, dass LdL wohl kaum ad hoc bei unserer japanischen Klientel eingesetzt werden könne.

Am zweiten Tag ließ uns Jean-Pol Martin – der sich selbst als „Weltverbesserer“ sieht, diese Aufgabe aber jedem andern ebenso zuschreibt – an seiner Vision teilhaben, Menschen und ihr Wissen mit Hilfe des Internet zusammenzuführen, um so Lösungen für die Probleme der Welt zu finden. Ein erster Schritt dazu sei die Nutzung der Wikiversity (2: s. Link), die auch Nichtakademikern weltweit die Möglichkeit biete, ihr Wissensreservoir zu erweitern, und die Martins Schülern u. a. als Plattform für ein Schulprojekt des Leistungskurses Französisch dient.

Als Nächstes stellte uns Jean-Pol Martin theoretische Überlegungen zu LdL auf anthropologischer Basis vor, deren Grundannahme ist, dass jeder Mensch ein intrinsisches Bedürfnis nach Wissen habe. LdL befriedige diese natürliche Wissbegierde (3: mehr zur LdL-Theorie s. Link). Martin betonte das Konzept der Empathie: sich in einen anderen Menschen hineinzudenken, was für den Lehrenden bedeutet, die Ressourcen seiner Studierenden zu erkennen („Was können sie, was schaffen sie?“) und diese kreativen Potentiale für den Unterricht zu nutzen.

Dementsprechend gab er uns anschließend mit einem ausgefeilten Konzept Gelegenheit, die LdL-Methode in der Lernerrolle praktisch zu erfahren und dabei unsere eigenes Potential einzusetzen. Jeweils drei bis vier Kollegen entwarfen in Gruppenarbeit eine Einführung in ein selbst gewähltes Wissensgebiet und instruierten eine andere Gruppe, die wiederum das für sie neue Thema in lernerzentrierter Weise für eine Unterrichtseinheit im Plenum didaktisierte. Z. B. führte eine Gruppe von Chinesisch-„Profis“ eine andere Gruppe in die chinesische Sprache ein; im Gegenzug erhielt sie von dieser „Lernergruppe“ Einblick in die Besonderheiten japanischer Bestattungen aus ethnologischer Sicht. Dem Miniunterricht der jeweiligen Gruppen war als „Spezialist“ ein Mitglied der Ursprungsgruppe zugeordnet, das den Unterricht beobachtete und nötigenfalls bei Fehlern als Souffleur oder den Ablauf korrigierend einsprang, so wie es auch im LdL-Unterricht geschieht. Währenddessen behielt Jean-Pol Martin als Supervisor beide Parteien im Auge und griff berichtigend ein. Mit klar nachvollziehbaren Argumenten kommentierte er unsere Lehrproben und baute dabei auf unsere Einsicht. Diese praxisbezogene Weiterbildung stützte die „Werkstatt“-Atmosphäre und hinterließ bleibende Eindrücke:

Martin wies mehrfach darauf hin, nicht den fragend-entwickelnden Unterrichtsstil einzusetzen, der beabsichtigt, möglichst schnell das Ziel des Lehrenden zu bedienen. Vielmehr solle „ressourcen-orientiert“ z. B. auf Antworten von Lernenden aus dem Plenum mit Rückfragen wie „Was meinst du damit?“ oder „Kannst du das deutlicher sagen?“ reagiert werden. Dies kann die Entwicklung für alle Teilnehmer transparent machen und eine kollektive Reflexion begünstigen, bei der die Lernenden zunächst selbst Antworten finden und erst zuletzt den/die „Fachmann/frau“ konsultieren.

Jean-Pol Martin, ein inspirierender Redner und Lehrer, stellte uns mit seinem großen Enthusiasmus Lösungsmöglichkeiten zur Motivierung von Studierenden bereit. Seine Versicherung, deutsche Schüler seien auch nicht viel anders als japanische, wären lustlos oder maulten, ließ uns etwas von unserer pessimistischen Haltung gegenüber der Motivierung japanischer Lerner abrücken, bei der wir viel zu schnell vergessen, dass lustvolles Lernen auch in Deutschland meist Utopie ist.

Von deutscher Seite wurde bedauert, dass die japanischen KollegInnen nicht oft zu Wort gekommen seien. Das war schade, denn ein zufriedenstellender LdL-Unterricht in Deutsch-Anfängergruppen ist ohne ausreichende japanische Sprachkenntnisse des Lehrenden kaum durchführbar, und daher bietet LdL besonders japanischen Muttersprachlern vielversprechende Aussichten. Doch klingt hier noch Skepsis an:

Dazu antwortete Herr Martin in einem Blog am 31.10.2006 (4: s. Link):

Tatsächlich wurde die Übertragbarkeit von LdL auf Japan hinsichtlich der „Kontrolle“ des Lehrenden kontrovers beurteilt. Besonders für Lehrende, die im Unterricht weniger auf einen soliden, zukunftsgerichteten Spracherwerb hinarbeiten können, sondern häufig in überfüllten Klassen mit Studierenden konfrontiert sind, von denen nur ein kleiner Teil Deutsch über den einjährigen Wahlpflichtkurs hinaus lernt, stellt sich die Frage nach der praktischen Durchführbarkeit von LdL. Meiner eigenen mehrjährigen LdL-Erfahrung in Anfängerklassen mit jeweils bis zu 60 Teilnehmenden nach bewährt sich LdL, wenn die Studierenden, deren Lernstrategien seit ihrer Schulzeit nur auf das Bestehen der nächsten Prüfung ausgerichtet sind, in Gruppen zusammenarbeiten und intensiv vom Lehrenden beraten werden, damit sie Ideen für einen dem jeweiligen Thema angepassten, lerneraktivierenden Unterricht entwickeln können (5).

Die Schlussdiskussion reflektierte die essenziellen Punkte des Seminars: (1) Wir haben Einblick in die Techniken von LdL und das Lehrerverhalten bekommen. (2) Es ist notwendig, die Methode LdL von der Person Jean-Pol Martin zu trennen, um frei mit ihr arbeiten zu können. (3) Die Botschaft beherzigen, den Optimismus zu bewahren, unsere Lerner nicht zu unterschätzen und verstärkt ihre Ressourcen zu nutzen. (4) Dabei jedoch die Methode LdL durch „Tatamisierung“ an das Lernerprofil anpassen. (5) Wir organisieren uns! Fazit: Wir richten ein Forum für den Austausch über LdL in Japan im Internet ein (6: schon geschehen, s. Link).
Wir hoffen, dass der Impuls, den uns Jean-Pol Martin durch die Vorstellung von LdL in Japan gegeben hat, den Unterricht nachhaltig bereichern kann, und dass es eine Zukunft für die DaF-Werkstatt gibt, ein Format, das sich zum Ziel gesetzt hat, deutschsprachige und japanische Lehrende in Westjapan zusammenzubringen, um gemeinsam an der praxisorientierten Weiterentwicklung des Deutschunterrichts zu arbeiten.

Anmerkungen:
1: Zusammenfassung der Vorträge und Tischausstellungen
2: http://de.wikiversity.org/
3: http://www.zum.de/wiki/index.php/Benutzer:Jeanpol/Fortbildungen/Materialien
4: http://www.zum.de/Foren/ldl/archiv/a627.html
5: Balmus, Petra 2005: Frontal oder autonom? – Neue Erfahrungen für Lehrende und Lernende durch Umkehrung der Rollen im DaF-Unterricht. Germanistische Studien (Nishinihon Doitsu Bungaku) 17 (Hg.: Japanische Gesellschaft für Germanistik – Westjapan). 45-57.
6: http://www.zum.de/wiki/index.php/Lernen_durch_Lehren/Fortbildung/DaF

Petra Balmus (mit Unterstützung deutscher und japanischer Teilnehmer), petbal(at)web.de

>>> Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

 

Von Simultan-, Konsekutiv- und hundsmiserablen Dolmetschern

19. November 2006 in einem auch für japanische Winterverhältnisse äußerst gut gekühlten Seminarraum der Sophia-Universität: Workshop „Dolmetschunterricht an japanischen Hochschulen“ (... welchem es leider irgendwie an Lektoren aus deutschen Landen mangelte – jawohl, ich versuche gerade, im Hinblick auf den nächsten Workshop, von dem ich stark annehme, dass er stattfinden wird, mit dem Zaunpfahl zu winken ;-).

Beim ersten Vortrag von Beate von der Osten – Leiterin des Sprachendienstes der Deutschen Botschaft Tokyo – wird schnell klar, dass es nicht nur in Japan einige Missverständnisse über jenen Beruf gibt. Die Annahme „Jemand, der eine Fremdsprache einigermaßen beherrscht, ist gleichzeitig auch ein Dolmetscher.“ ist ziemlich verbreitet und ziemlich falsch. Und das noch größere Problem mit Studiengängen und Abschlüssen im Deutsch/Japanisch-Dolmetschen: Es gibt sie überhaupt nicht! Dieser Umstand und seine Folgen wurden im weiteren Verlauf heiß diskutiert: Mangels abgeschlossener Studiengänge und Prüfungen gibt es sehr wenige gute, aber umso mehr hundsmiserable Dolmetscher für das Sprachenpaar Japanisch/Deutsch auf dem japanischen Markt. Die Folgen sind zum einen die Tendenz zu Preisdumping, zum anderen gehen viele Firmen nach einer schlechten Dolmetscher-Erfahrung dazu über, Konferenzen und Gespräche nur noch auf Englisch abzuhalten. Keiichi Aizawa – bekannt durch seine „Sklavenarbeit für das NHK-Programm“ (O-Ton!) – ist der Meinung, jene schlechten Dolmetscher müssen unbedingt „bekämpft“ werden; nicht ganz so radikale Vorschläge waren, endlich feste Studiengänge und Prüfungen einzuführen, was der gesamten Situation zugute kommen würde. Derartiges wird zurzeit vereinzelt versucht: Große Hoffnungen liegen dabei auf Germersheim, wo die Uni Mainz bereits Studiengänge für andere Sprachen anbietet (www.fask.uni-mainz.de). Die Mitorganisatorin des Weiterbildungsseminars Dolmetschen Japanisch/Deutsch, Frau Akiko Stein, ist extra aus Deutschland eingeflogen, um am Workshop teilzunehmen.

Gegenwärtig muss man als angehender Dt./Jp.-Dolmetscher leider noch große Umwege machen: Frau von der Osten z. B. wich auf die Uni Queensland in Australien aus, um den Master im Englisch/Japanisch Dolmetschen zu machen. Dort wird auch weitaus mehr von den Studenten verlangt, als einfach „nur“ die Sprachen zu beherrschen; Notationstechniken, schnelles Auffinden und Aneignen von Fachwissen, das Sprechen vor Publikum und dergleichen mehr wird gepaukt. Mehr Infos zu diesem Studiengang gibt es im Internet unter www.arts.uq.edu.au/slccs/index.html?page=38833.

Dass es aber auch in Japan Bemühungen gibt, Dolmetschkurse zu etablieren, zeigten dann Elke Hayashi und Goro Christoph Kimura: Mit einem 15-SWS-Kurs an der Uni Sophia kann natürlich – weder den Haupt- und schon gar nicht den Nebenfächlern – ein Master-Abschluss angeboten werden. Aber den Studenten wird klar, was dieser Beruf im Unterschied zum Übersetzer eigentlich bedeutet, und dass Deutsch nicht nur eine Sprache längst verstorbener Dichter und Musiker ist. Wie Goro Kimura erklärte, kommt während der verschiedenen Übungen, dem Vorstellen von Hilfsmitteln und angewandtem Konsekutiv-Dolmetschen, für viele Studenten das Aha-Erlebnis, dass es nicht nur wichtig ist, was ein Dolmetscher von sich gibt, sondern auch wie. Das Auftreten und die Fähigkeit, vor (fremdem) Publikum sicher zu sprechen, ist oftmals etwas unterentwickelt. Mayako Niikura erläuterte daraufhin die Probleme von Japanern bei der Aussprache des Deutschen, wobei sich hier die Situation gegenüber früher erheblich verbessert hat – die Überzeugung, dass ein japanischer Mund nicht in der Lage sei, fremdsprachige Laute verständlich auszusprechen, ist bei den Dozenten und den Studenten kaum mehr vertreten.

Elke Hayashi, die Deutsch im Nebenfach (Fremdsprachenausbildung für Hörer aller Fakultäten) unterrichtet und auch die Initiatorin dieses Workshops war, betonte schließlich, dass Dolmetschunterricht auf allen Niveaus möglich ist und besonders anfangs nicht nur Profidolmetscher als Lehrer einsetzbar sind. Ein derartiger Unterricht muss auch nicht zwangsweise die Herbildung möglichst vieler Dolmetscher zum Ziel haben, sondern ist von allgemeinem Nutzen für DaF: die Motivation der Studenten beim Deutschlernen lässt sich durchaus steigern und es können neue Perspektiven des Deutschen als Arbeitssprache gewonnen werden (vgl. Lerubri Nr. 27). Wichtige Punkte sind hierbei, dass die Studenten Toleranz gegenüber ihren eigenen Fehlern vermittelt bekommen – denn oftmals wird versucht, die Fremdsprache mehr als 200%ig zu beherrschen. Ebenso sollen die Studenten lernen, ihre eigenen Fremdsprachenfähigkeiten richtig einzuschätzen.

Im Workshop-Teil wurden dann von Herrn Aizawa und Frau Hayashi einige Übungen vorgeführt, die auch im „normalen“ DaF-Unterricht Verwendung finden können. Für Anfängerklassen eignet sich z. B. quick response, eine Vokabel-Lernübung, bei der ein Student seinem Partner jeweils eine Vokabel aus einer vorgefertigten Liste nennt, die dieser dann möglichst schnell in die andere Sprache übersetzt. Dann nennt der gerade noch Gefragte eine Vokabel, und so geht es dann 3 Minuten lang weiter.

Auch das wohl allseits bekannte Spiel „Kofferpacken“, bei dem ein Student den vom Mitstudenten angefangenen Satz um jeweils ein weiteres Wort ergänzt, ist ein gutes Training für das Im-Gedächtnis-Behalten eines kurz zuvor gehörten Satzes. Von Anfang an sollte man aber darauf aufpassen, dass durch solche eher unterhaltsamen und einfachen Spielchen kein falscher Eindruck vom doch sehr harten Beruf eines Dolmetschers entsteht. Für etwas fortgeschrittenere Klassen kann das sog. slash-reading eine interessante Hilfstechnik beim schnellen Erfassen eines Textes sein (eine gute Beschreibung dazu gibt es unter http://www.lttc.ntu.edu.tw/2006workshop/slash%20reading%20handout%20.pdf), und auch das scanning und skimming gehen in diese Richtung (http://www.bbc.co.uk/skillswise/words/reading/). Beim Dolmetschen kommt es nicht darauf an, einfach nur Satz für Satz zu übersetzen, sondern den Sinn eines Textes zu erfassen und verständlich in die andere Sprache zu übertragen. Für Dolmetscher ist es laut Herrn Aizawa wichtig, verschiedene „Hosentaschen“ zu haben, d. h. ein großes Repertoire an Sprachstilen in der Ausgangs- und in der Zielsprache, die vom Dolmetscher je nach Zielpublikum abgerufen werden können.

Elke Hayashi legt auch großen Wert darauf, dass Studenten schon sehr früh anfangen, die eigenen Sprachfähigkeiten als Dolmetscher mit „arubaito“ zu trainieren: Das kann schon damit beginnen, einen Freund aus Deutschland in Tokyo herumzuführen oder bei Telefongesprächen als Konsekutiv-Dolmetscher auszuhelfen. Es sind auch Führungen durch die Uni denkbar, bei denen ein Student als deutscher Reiseleiter fungiert und ein anderer als japanischer Dolmetscher – wichtig ist das praxisnahe Training.

Wer nun etwas Interesse an Dolmetschkursen gefunden hat, der sei auf künftige Workshops zum Thema verwiesen, (und hier war er schon wieder, der Zaunpfahl). Bleibt abschließend nur noch zu hoffen, dass es in Zukunft mehr Angebote in Sachen Japanisch/Deutsch-Dolmetschen geben wird (weniger geht ja kaum noch) –. Dieser Workshop hat ohne Frage einen positiven Beitrag geleistet. Wenig beitragen konnten leider die beiden Babysitter, die extra für die Betreuung der Kinder einiger Teilnehmer bereitstanden - Niemand hatte seine Kinder mitgebracht.

 

Sven Körber-Abe, svenkoerber(at)gmx.de

>>> Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

 

Auch eine Form der internationalen Verständigung: Einbrüche

Was folgt daraus, dass es hierzulande fast jede ausländische Taschendiebbande in die nationalen Nachrichten bringt? Sicher auch, dass Ausländer hier besondere Aufmerksamkeit genießen, im positiven wie im negativen Sinn. Aber vielleicht kann man außerdem daraus schließen, dass solche das Eigentum betreffenden Low-Tech-Verbrechen – Diebstahl, Einbruch und Raub, mit der scheinbaren Ausnahme von Schirmen und Fahrrädern – in Japan immer noch seltener sind als im „Westen“. Weshalb man sich hier einigermaßen sicher fühlen kann, besonders, wenn man nicht in einem der Ballungszentren lebt. (Seit ich hier bin, wurden mir zwar drei Schirme „gestohlen“, aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Schirme überhaupt keine Gegenstände sind, zu denen man in einem Eigentümerverhältnis stehen kann - Fahrräder ebenso, mit Ausnahme meines neuen Klein-Attitude-Mountainbikes (!!!) -, so dass gewissermaßen alle Schirme als kollektives Eigentum allen Schirmbedürftigen gehören.)

Man kann sich aber auch in der japanischen Provinz zu sicher fühlen. Als ich 1991 zum ersten Mal als Lehrender nach Japan kam, hatte ich an der Uni Niigata einen amerikanischen Kollegen, der in den Semesterferien, wenn er regelmäßig nach Montana verschwand, seine Wohnungstür offen ließ, weil er mehr Freunde hatte, die dort in seiner Abwesenheit übernachten wollten, als Wohnungsschlüssel. In Montana fahren viele Männer mit abgesägten Schrotflinten unter dem Sitz durch die ziemlich menschenarme Landschaft, und man kann sich wohl vorstellen, wie sicher sich der Kollege in Japan fühlte. Glücklicherweise ist ihm auch nie etwas passiert, von einem Sturz vom Fahrrad einmal abgesehen, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Diese bequeme Einstellung habe ich mir bereitwillig zu eigen gemacht, und im September durfte ich nach insgesamt 13 Jahren auf der Insel der Seligen – den Preis dafür bezahlen: ca. 50 000 Yen. Und das kam so: Eines Morgens fragte mich meine Freundin, warum ich nachts die Fliegengitter im Erdgeschoss offen gelassen hätte. Dazu muss ich sagen, dass ich zu den wenigen verbliebenen Rauchern gehöre, diesem Laster aber nur abends nachgehe und nachts die Schiebetüren offen lasse, damit der Qualm abzieht. Diese Türen gehen nach hinten auf unseren Garten, der von einer Heckenmauer umgeben ist. Allerdings kann man in den Garten gelangen, wenn man den schmalen Gang zwischen unserem und dem Haus unserer Nachbarn durchgeht und sich vorher zwischen den Autos durchquetscht.

Sie ahnen sicher schon, worauf dieser Haufen von Nebensächlichkeiten hinausläuft: Nicht ich hatte die Fliegengitter geöffnet, sondern ein nächtlicher Eindringling (oder eine Mehrzahl derselben, was wir aber vernachlässigen wollen). Ein schneller Gang durch das Haus: Offensichtlich fehlte nichts ... außer meinem Rucksack, den ich wie immer im genkan abgeworfen hatte. Da ich am Tag zuvor auf der Bank gewesen war und am Tag danach aufs Rathaus wollte, befanden sich im Rucksack nicht nur meine Bankbücher und beide Stempel, die ich verwende, sondern auch die Cash-Karten für mehrere Konten, meine Ausländerkarte und vermischtes anderes Plastikzeug, einschließlich meines deutschen Personalausweises.

Ich nichts wie zur Bank, wobei mir besagtes Klein-Attitude-Mountainbike vorzügliche Dienste leistete, um mein Konto in Kôchi sperren zu lassen. Dann zum nächstgelegenen kôban, um Anzeige zu erstatten. Dort durfte ich, nachdem mir drei Polizisten mehr oder weniger aufmerksam zugehört hatten, einer fünfminütigen Diskussion um den Verbleib eines kleinen roten Schlüssels unklarer Funktion lauschen. Ich vermute, dass es sich um den Schlüssel des Polizeifahrrads handelte, denn nach vergeblicher Suche wurden mein Klein-Attitude-Mountain¬bike und ich in den Polizeitransporter geladen und wir machten uns gemeinsam auf den Weg zu unserem Haus. Die Fahrt, die ich auf meinem Fahrrad in fünf Minuten bewältigt hätte, dauerte mehr als eine Viertelstunde.

Vielleicht wird klar, dass ich es zu diesem Zeitpunkt fast schon bereute, die Polizei eingeschaltet zu haben, aber ich sollte eines Besseren belehrt werden: Weil meine Freundin inzwischen den Rucksack in einem nahe gelegenen Feld gefunden und die Kriminalpolizei gerufen hatte, erwarteten uns bereits zwölf Kriminalbeamte, die uns in den nächsten zwei Stunden durch Effizienz, Höflichkeit, in einigen Fällen sogar ausgesprochene Freundlichkeit beeindruckten, ganz davon abgesehen, dass zwei von ihnen, der Aussage meiner Freundin zufolge, auch noch ausgesprochen gut aussahen.

Nach zwei Stunden wussten sie Folgendes: dass wir zum Frühstück Gurken essen (die von H…berg), die etwa japanischen tsukemono vergleichbar sind; dass ich manchmal mit den Schuhen durch die mit Parkett ausgelegten Teile des Hauses laufe, wenn ich besonders in Eile bin; dass solch abscheuliches Verhalten (und Schlimmeres) in Deutschland nicht ungewöhnlich ist; dass wir abwechselnd Deutsch und Englisch sprechen, uns aber auf Japanisch streiten; dass der amerikanische Hersteller meines allseits bewunderten Fahrrads der Marke „Attitude“ (diese Benennung ist allerdings ein echter Fehlgriff!), Klein, einen deutschen Namen hat und auch die NASA beliefert; und dass der Eindringling nichts mitgenommen hatte als mein Bargeld und ein Zippo-Feuerzeug, wahrscheinlich in weniger als einer Minute durch unser Erdgeschoss geschlichen war, den Rucksack auf dem Weg nach draußen gepackt hat und höchstwahrscheinlich nie gefasst werden wird, weil er keinerlei Spuren hinterlassen hat.

Wir hatten also einen erfolgreichen Workshop zum Thema „interkulturelle Kommunikation“ hinter uns gebracht, und das alles für 50 000 Yen. Und ich hatte außerdem gelernt, dass Raucher gefährlicher leben als der Rest der Bevölkerung. Was der Eindringling unserem kleinen Workshop entnommen hat (außer den 50 000 Yen), weiß ich nicht: Es ist zweifelhaft, ob er überhaupt wusste, dass im Haus Ausländer leben.

Irgendwie kann ich das Gefühl nicht abschütteln, dass der Täter zwischen 50 und 60 Jahre alt ist, schmächtig (er musste zwischen den Autos durch), Raucher (das Zippo-Feuerzeug), nicht sehr gründlich (warum hat er das zweite, fast identische Feuerzeug, das gleich daneben lag, nicht mitgenommen?) und technisch nicht besonders gewieft (weder eine digitale Kamera noch ein elektronisches Wörterbuch scheinen ihn interessiert zu haben, und die Konten waren nicht angetastet worden). Kürzlich saß ich im Zug von Okayama kommend hinter genau so einer Gestalt in schäbigen Kleidern, die den Tag offensichtlich auf der Pferderennbahn in Okayama oder Osaka verbracht hatte. Als er auch noch ein Bündel 10.000-Yen-Scheine aus der Hosentasche zog, wollte ich mich schon neben ihn setzen und ihn in eine Unterhaltung verwickeln, aber dann sagte ich mir, dass mir der Dieb ja eigentlich einen Gefallen getan hat, nicht nur, weil er den ganzen Kartenkram aufs Feld geschmissen hat, ohne vorher die Daten zu kopieren, was man inzwischen selbst im Vorbeigehen kann, sondern auch, weil er mir eine wichtige Lektion erteilt hat, und das vergleichsweise billig: Raucher leben nicht nur gefährlicher, sie leben auch mit einem Dilemma, hin und her gerissen zwischen einbrecherfördernder Frischluft und sicherem Knaster.

P. S.: Es gibt zwei Typen von Einbrechern: solche, die nicht wiederkommen, was man eigentlich erwarten sollte, und solche, die dies gerade deswegen tun. Sollte unser Eindringling dies zufällig lesen, möchte ich mich hiermit ausdrücklich bei ihm bedanken, gleichzeitig aber darauf hinweisen, dass diese Dankbarkeit ihre Grenzen hat. Die Türen bei uns bleiben neuerdings auch nachts geschlossen. Außerdem schlafe ich jetzt mit einem Golfschläger neben dem Futon (Danke, Alfred!).

Stefan Hug, sthug(at)cc.kochi-u.ac.jp

>>> Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

 

Bericht zur Asiatischen Germanistentagung: Kulturwissenschaftliche Germanistik in Asien. 28.-31.8., Seoul National University, Südkorea

Die Asiatische Germanistentagung fand dieses Jahr an der Seoul National University (SNU) in Südkorea statt. Teilgenommen haben insgesamt 270 Wissenschaftler, darunter auch 46 aus Japan. Am Eröffnungstag begrüßte Sam-Huan Ahn (SNU) die internationalen Gäste mit einem Hinweis auf einen überraschenden Fund in Goethes Tagebuch vom 7.7.1818, in dem der Dichterfürst eine »Reise nach der Westküste von Corea« erwähnt. Zwar hat er sich nicht wie die Anwesenden selbst auf den Weg gemacht, doch hat er sein Interesse an der Fremde dokumentiert, indem er eine Reisebeschreibung des englischen Marineoffiziers Basil Hall ausgeliehen hatte.

Den Eröffnungsvortrag hielt der Komparatist Henrik Birus (International University Bremen). Gegen die von ihm befürchtete Nivellierung der Literatur- zu einer allgemeinen Kulturwissenschaft bot er von Karl Lachmann über Friedrich Nietzsche bis Walter Benjamin eine Reihe von Gewährsmännern für die Forderung nach einer Re-Philologisierung auf. Sein Vortrag richtete sich gegen ein Konzept von Kulturwissenschaft, das auf dieser Konferenz von Herbert Arlt (Institut zur Erforschung und Förderung österreichischer und internationaler Literaturprozesse, Wien) anhand eines Projekts zur weltweiten Erforschung der Namen von Bergen vorgestellt wurde. Die ostasiatische Germanistik hat gewichtige Bausteine zu dieser Internetplattform beigetragen. Der Artikel zu den chinesischen Bergen stammt von Zhang Yushu (Beijing-Universität), der zu den japanischen von Naoji Kimura (derzeit Universität Regensburg) und der zu den koreanischen von Han-Soon Yim (SNU). Sie alle gehören zum Kreis derjenigen, die dem Projekt der Asiatischen Germanistentagung lange Jahre engagiert verbunden sind. In einer Reihe von Plenarvorträgen wurde richtungsweisend aus verschiedenen Ländern und Teildisziplinen der Germanistik berichtet. So umriss Jianhua Zhu (Tongji-Universität) die Perspektiven der germanistischen Linguistik in China. Teruaki Takahashi (Rikkyo-Universität, Tokyo) stellte in seinem Vortrag die friedenspolitische Funktion einer als Kulturkomparatistik betriebenen Germanistik heraus.

Referiert und diskutiert wurde auf der Konferenz in acht verschiedenen Sektionen. Von der Erinnerungs- bis zur Geschlechterproblematik wurden dabei weite Felder der Kulturwissenschaft aufgerollt. In der Sektion ›Textualität und Performativität‹ präsentierte Michael Mandelartz (Meiji-University, Tokyo) Novalis als politischen Romantiker. Er arbeitete heraus, wie Novalis in Klingsohrs Märchen den zeitgenössischen Diskurs über die Elektrizität und die Forderung nach einem »mystischen Souverän«, einem Dichter-König, eingeflochten hat. Kai Köhler (SNU) wandte sich Bearbeitungen von Kleists Erzählungen und Dramen auf dem Musiktheater zu. Obwohl ein Akt von Kannibalismus szenisch nicht so leicht darstellbar ist, schaffte es im Zusammenhang mit den Erfolgen der Frauenemanzipation 1927 sogar die Penthesilea in einer Vertonung von Othmar Schoeck auf die Opernbühne. Die vielleicht erfolgreichste Kleist-Oper war jedoch Werner Egks Verlobung von San Domingo von 1963, die in mahnender Erinnerung an den Rassenwahn der Nazis zur Versöhnung der verfeindeten Parteien von Kleists Kriegsnovelle aufruft. Birgit Mersmann (Universität Basel, früher SNU) stellte Roland Barthes Kritik des westlichen Alphabetozentrismus und seine Hinwendung zu einem Ideographismus vor, einer lustvollen Verbindung von Schrift und Bild, wie sie vor allem in seinem Japan-Buch Das Reich der Zeichen zum Ausdruck kommt. In der Sektion ›Kultur im DaF-Unterricht‹ zeigte der ehemalige Sportjournalist Mario Kumekawa (Keio-Universität, Tokyo), wie man mit Materialien zum Thema Fußball Studenten zum Lernen der deutschen Sprache motivieren kann.

In der von mir hauptsächlich besuchten Konferenzsektion mit dem Titel »Alterität und Interkulturalität« bildete philologisches Handwerk selbstverständlich die disziplinäre Basis aller Vorträge. Sylvia Bräsel (Universität Erfurt, früher Yonsei-Universität) referierte hier über Korea-Bilder in der deutschen Reiseliteratur aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihr Vortrag führte von dem Bildjournalisten Rudolf Zabel, der 1906 einen eher reißerisch aufgemachten Bericht von seiner Hochzeitsreise durch Korea während des Russisch-Japanischen Krieges publizierte, bis zu Herman Lautensach, der zur koreanischen Landeskunde ein wissenschaftlich grundlegendes Werk verfasst hat. Mihaela Zaharia (Universität Bukarest) wartete mit imagologischen Betrachtungen zum Reisetagebuch des aus Deutschland vertriebenen jüdischen Philosophen Karl Löwith auf, der von 1938-41 im japanischen Sendai unterrichtet hat. Seine ambivalent-ironischen Auslassungen über »watschelnde« Japanerinnen kann man nicht anders als herabsetzend nennen. Wie groß die Bedeutung der türkischstämmigen Autorin Emine Sevgi Özdamar für die deutsche Migrationsliteratur ist, wurde deutlich, als ihr Werk gleich in drei Vorträgen ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wurde, bei Keiko Hamazaki (Kobe-Universität), Thomas Pekar (Gakushuin-Universität, Tokyo) und Yun-Young Choi (SNU).

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wurden auf dieser Tagung auch Fragen zur Curriculumsentwicklung und zu den Berufsperspek¬tiven für asiatische Germanistikstudenten auf¬geworfen. Jörg Roche (Ludwig-Maximilians-Universität, München) erläuterte exemplarisch den Aufbau von Bachelor- und Masterstudiengängen in Deutschland. Er nutzte die Gelegenheit, um das Internet-Portal für Deutschlernende DUO (Deutsch-Uni Online), das zusammen mit dem TestDaF-Institut Hagen an seiner Universität entwickelt worden ist, zu bewerben. Hyung-Uk Shin (Hankuk University of Foreign Studies, Seoul) kritisierte, dass das Studium der deutschen Sprache in Korea in der Regel nicht auf eine Tätigkeit in der Wirtschaft vorbereite. Wenn eine Firma Mitarbeiter mit Deutschkenntnissen suche, verlange sie effektiv verwertbare Sprachkenntnisse, über die Germanistik-Studenten nicht verfügten. Yuquin Wei (Fudan-Universität, Shanghai) verwies auf die Erfolgsgeschichte der Germanistik in China, die von 20 Abteilungen im Jahr 1992 auf derzeit 60 ausgebaut worden sei. Doch gerade die Expansion der Germanistik hat auch dazu geführt, dass ein Überangebot entstanden ist. Auf dem Arbeitsmarkt ist es für die chinesischen Absolventen eng geworden. Die Situation in Japan bilanzierte Ryozo Maeda (Rikkyo-Universität, Tokyo). Hier würden 90% der germanistisch ausgebildeten Hochschullehrer Deutsch als zweite Fremdsprache unterrichten, nur 10% seien an Germanistik-Abteilungen tätig. Für 90% der Studienabgänger sei Deutsch im Berufsleben irrelevant.

Die nächste Tagung wird im August 2008 in Kanazawa an der japanischen Westküste stattfinden. Sie bietet auch den deutschsprachigen Universitätslektoren eine gute Gelegenheit, durch Vorträge und Diskussionsbeiträge auf ihr Engagement in der asiatischen Germanistik aufmerksam zu machen und sich besser zu vernetzen.

Thomas Schwarz (University of Pune / Indien), thomschwarz(at)yahoo.de

>>> Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

 

Professionelle Lehrwerkerstellung: DaF Lehrwerke für asiatische Lernende

Auf der Asiatischen GermanistInnentagung in Seoul, August 2006, wurde in der Sektion 8 B u. a. über das unzureichende Lehrbuchangebot in Asien, besonders in Japan, diskutiert. In meinem Beitrag „Kulturvermittlung in asiatischen DaF-Lehrwerken auf Grundstufenniveau - Lehrwerkgestaltung zwischen didaktischem Wunschdenken und praktikabler Realität" habe ich die Situation in Japan vorgestellt und anhand von Lehrbuchausschnitten auf Problemfelder aufmerksam gemacht. Der vollständige Aufsatz, von dem ich hier in stark gekürzter Form berichte, kann später im Tagungsband eingesehen werden: http://tiki.gunskevonkoelln.com/Vortrag+Korea+2006

Fazit meines Beitrags

Vor dem Hintergrund, dass viele Lernende in Japan nur ein Jahr zum Lernen einer Fremdsprache und Kennenlernen der zugehörigen Kultur haben und wir Lehrende nur über ein Jahr verfügen, ihnen eine erlernenswerte Sprache und eine interessante Kultur vorzustellen und schmackhaft zu machen, brauchen wir neue Lehrwerke und Konzepte in Japan.

Um dies realisieren zu können, wären zwei Wege denkbar: Zum einen kann man als LehrerIn ein vorhandenes Lehrbuch auswählen, um es dann zu erweitern und an die eigene LernerInnengruppe anzupassen. Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, aus einem großen Pool von Lehrwerken auswählen und entsprechend gutes Material suchen zu können. Der Nachteil ist, dass es ein sehr aufwendiges Verfahren ist, denn im Prinzip übernehmen wir als Lehrende damit die Aufgabe, die eigentlich den LehrbuchautorInnen zukommt. Zum anderen besteht die Möglichkeit, sich in länderübergreifenden Kooperationsgemeinschaften zusammenzuschließen und gemeinsam ein Lehrwerk zu entwickeln. Wichtig dabei ist, dass die Mitwirkenden ExpertInnen sind, denn so wie nicht jedeR von uns Gedichte schreiben kann, die zur Veröffentlichung und für den Lesegenuss anderer geeignet sind, kann auch nicht jedeR ein Lehrbuch entwickeln. Bei der Lehrbuchentwicklung sind derartig viele Faktoren zu berücksichtigen, dass es hinsichtlich der Qualität und Quantität der zu bewältigenden Arbeit eines professionellen LehrbuchautorInnenteams bedarf. (Lehrwerke kritisieren und Fehler finden ist nach kurzer Einarbeitung in die Lehrwerkanalyse machbar, aber besseres Material zu erstellen überfordert viele, weil es ihnen an der entsprechenden professionellen Ausbildung fehlt und sie fachfremd sind.) Aufgrund der Tatsache, dass sie DaF unterrichten, sind GermanistInnen und JapanologInnen als Fachfremde ohne profunde Kenntnisse im Bereich der Sprachlehrforschung oder DaF im Allgemeinen sowie der Lehrwerkforschung im Besonderen nicht automatisch geeignete DaF-LehrbuchautorInnen. Dieses Bewusstsein muss m. E. auch in Japan geschärft werden.

Diskussion in der Sektion

In der anschließenden Diskussion mit den SektionsteilnehmerInnen ging es um folgende Fragestellungen:

  1. Wie kann man gegen die Europazentriertheit deutscher Verlage angehen, die sich nach wie vor nicht für den lukrativen asiatischen Markt interessieren, sondern europäische Lernende und ihre Lernbedingungen zum Maßstab erheben?
  2. Wie kommen wir zu Lehrwerken, die für den Einsatz in Asien geeignet sind?

Gründe für eine länderübergreifende Kooperation

Die DiskussionsteilnehmerInnen waren sich sehr schnell einig, dass der oben vorgeschlagene zweite Weg, nämlich der einer asiatischen Kooperationsgemeinschaft, aus mehreren Gründen sehr sinnvoll erscheint. Zum einen sprechen didaktische Gründe dafür, der Lehrbuchtradition, wie sie bspw. in Japan vorzufinden ist, entgegenzutreten. Denn es mangelt an guten Lehrbüchern und ihren AutorInnen in Asien. Zum anderen befürworten KollegInnen ein gemeinsames Lehrbuch aus politischen Gründen, nämlich um ein Zeichen zu setzen und der Welt zu zeigen, dass die deutsche Sprache und Kultur auch dazu genutzt werden kann, Brücken zwischen asiatischen Ländern zu bauen, vor allem zwischen Korea und Japan, und damit einen Beitrag zum interkulturellen Verständnis zu leisten. Ferner war man sich einig, gegen die Europazentriertheit deutscher Verlage anzugehen.

Hindernisse & Umsetzung

KollegInnen aus Korea, China und Japan nannten danach Hindernisse, die es bei einem solchen Vorhaben zu bewältigen gilt: In Korea wollen viele Universitäten aus finanziellen Gründen oder Gründen des sozialen Prestiges ihr eigenes Lehrbuch. Ein japanischer Kollege verwies darauf, dass es in Japan an ausgebildeten DaF-ExpertInnen mangle und dass die wenigen, die es in Japan gäbe, ohnehin schon aus- bzw. überlastet seien. Hinsichtlich der Umsetzung schlug ein Kollege vor, ein Lehrbuchgerüst gemeinsam zu entwickeln, um dann in den einzelnen Länderbänden die Spezifika des jeweiligen Landes berücksichtigen zu können. Allerdings erscheint mir diese interessante Verfahrensweise zu aufwendig und finanziell kaum durchsetzbar. Aus Kostengründen, die vor allem für die Verlage einen wichtigen Gesichtspunkt darstellen, wird ein Basislehrwerk für alle Länder mit Zusatzmaterial für die einzelnen Länder größere Aussicht auf Erfolg haben. In Bezug auf die Kooperationsbereitschaft von Seiten asiatischer Verlage wurde festgehalten, dass finanzielle Engpässe nicht nur ein Hindernis darstellen, sondern auch förderlich sein können, da Lehrbuchverlage vor Ort, die bisher z. T. diktatorisch Vorgaben machen, welche aus didaktischer Hinsicht nicht nachvollziehbar sind, sich nun kompromissbereiter zeigen könnten, um sich gegenüber deutschen Verlagen Marktanteile zu sichern.

Ausblick

Einig waren sich die Teilnehmenden, dass es bis zur Realisierung eines gemeinsamen Lehrwerks ein langer Weg sei. Um die Arbeit an einem solch langfristigen und aufwendigen Projekt aufzunehmen, bedarf es vieler Einzelschritte, von denen ich einige exemplarisch zur weiteren Diskussion stelle:

Gründung einer Kooperationsgemeinschaft

Aufgrund dieser Diskussion entstand die Forderung nach einem regionalen Lehrwerk für den asiatischen Lernkontext, das durch ein länderübergreifendes AutorInnenteam erarbeitet wird. Trotz aller Hindernisse, die einem solchen Unternehmen im Wege stehen, fanden am letzten Tag der Tagung erste Gespräche zur Gründung einer länderübergreifenden Kooperationsgemeinschaft statt. Den Anfang soll eine Gruppe in Korea und Japan machen.

Den aktuellen Diskussionsstand zum bilateralen Projekt zur Erstellung von gemeinsamen Lehrmaterialien für Korea und Japan erfahren Sie unter http://tiki.gunskevonkoelln.com/DaF+in+Asien.

Mitarbeit

Haben Sie Interesse an der Mitarbeit? Dann melden Sie sich doch bitte bei uns

Martina Gunske von Kölln


>>> Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

 

Kristallisationspunkt Tôkai-Deutsch-Wochenende: Entwicklungen in der Tôkai-Region

Was ist das Tôkai-Deutsch-Wochende? Seit 2003 findet jedes Jahr an zweieinhalb Tagen im Oktober an der Pädagogischen Hochschule Aichi (Aichi kyôiku daigaku) Japans neuestes interuniversitäres Gasshuku statt. Im Lektorenrundbrief Nr. 23 wurde bereits darüber berichtet. Welche Neuigkeiten gibt es?

Was brauchen wir?

In den nächsten Jahren wollen wir versuchen, Studierende und Lehrkräfte von weiteren Universitäten zu gewinnen. Bisher haben am Wochenende hauptsächlich Studierende teilgenommen, die an den Hochschulen der beteiligten Lehrkräfte eingeschrieben sind, welche ihren Studenten die Teilnahme empfohlen haben. Leider besteht bisher zu einigen sehr großen Universitäten im Tôkai-Raum noch kein enger Kontakt.
Die Homepage des Tokai-Deutsch-Wochenendes: http://www.tokaideutsch.de (mit Fotoalben)

Alexander Imig, unter Mitarbeit von Oliver Mayer, imigalexander(at)hotmail.com

>>> Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Rezension

"Traulich und treu ist`s nur in der Tiefe ..."
Das neue Deutschlandbuch von Matthias Matussek

Matthias Matussek: Wir Deutschen. Warum die anderen uns gern haben können. Frankfurt: Fischer 2006

Ende September aus Deutschland zurück, noch leicht irritiert von all dem absichtlich vergessenen Schwarzrotgold an Autos und Balkonen (man sagte mir, das sei eher Partyotismus als Patriotismus - aha!): das neuerschienene Buch von Matthias Matussek gelesen (Ressortchef „Kultur“ beim SPIEGEL): „Wir Deutschen. Warum uns die anderen gern haben können“: ein putzmunteres (anti-englisches) Plädoyer für Familie und Vaterland, eine Art teutonische Wiedererweckung und renationalisierende Neubesinnung im Geiste Heinrich Heines. Wie Heine nähert sich der Autor seinem Gegenstand als Humorist und ist selbst nicht frei von nationalen Stereotypen, die er munter kolportiert. Nannte Sönke Wortmann seine Klinsmann-Doku „Deutschland. Ein Sommermärchen“, so bezieht sich Matussek in seinem (vor der WM verfassten) Werk direkt auf Heines parodistisches Versepos „Deutschland. Ein Wintermärchen“: die heitere Reise durch die Hölle des politischen Winters im vormärzlichen Deutschland. ...

Das Buch ist eine Mischung aus Essays und Interviews und Reportagen, z. T. schon älteren Datums. Da wird Bezug genommen auf Hagen Schulze und Frank Schirrmacher, da werden Pina Bauschs "Nelken" gepriesen und der Siegeszug der „German Art“ gefeiert (Richter, Polke, Neo Rauch ...) Da wird auf dem Weg zu einem multikulturellen Dinner in Berlin der junge Maler Dennis Rudolph besucht in seinem Atelier (Radierungen, die an düstere germanische Kultstätten erinnern) - und Armin Böhm, der Meisterschüler Immendorffs, der beim Malen immer „Kraftwerk“ hört, die Urväter des Techno (es geht darum, das Ego zurückzudrängen und zu einem älteren Begriff von Virtuosentum zurückzufinden). Und Gottfried Benn wird herzitiert im Radiostreitgespräch mit Becher, und Matussek lässt Heiner Müller Ernst Jünger zitieren (denn kein Glas Sekt war köstlicher als jenes, das man uns an die Maschinen reichte in der Nacht, da wir Sagund zu Asche brannten). Und Harald Schmidt wird interviewt und Heidi Klum (die in Beverly Hills Bergisch Gladbach nicht vergessen hat), und mit der Enkelin Baldur von Schirachs wird Kaffee getrunken im „White Trash“ in Berlin (ich liebe die subtile Erbarmungslosigkeit dieses Ortes). Und nicht zuletzt in eigener Sache wird Stellung bezogen und munter ausgeteilt, und zwar mit besonderer Vorliebe gegen das „Krämervolk“ der Briten (seine Lieblingsfeinde) und gegen frauenbewegte Spießigkeiten (damals hatte ich Prügel bezogen von der feministischen Medienmafia in den Redaktionsstuben, die sich ihr Single-Elend mit teuren Chardonnays als „Selbstverwirklichung“ schönsoff ...). Der Autor hält demgegenüber ein flammendes Plädoyer für die Familie als Grundstock der Nation, er beschwört den Zusammenhang von Nationalgefühl und Kinderkriegen. Eva Hermann lässt grüßen, auch Ursula von der Leyen. Man meint nicht zum ersten Mal einem Paradigmenwechsel zum „Politisch Inkorrekten“ beizuwohnen, und man fragt sich nicht zum ersten Mal: Signalisieren Bücher wie dieses eine über sie selbst hinausweisende Kehrtwende? (Vorher bereits erschienen Eckhard Fuhrs „Versuch zur Vaterlandsliebe“, Reinhard Mohrs „Das Deutschlandgefühl“ und Hans-Dieter Gelferts „Was ist deutsch?“. Und der Deutschlandfunk veranstaltet derzeit eine - in der ZEIT nachgedruckte - Essayserie zum Thema: „Drei Monate nach der WM: Gibt es einen neuen Patriotismus in Deutschland und wodurch zeichnet er sich aus?“)

Ein Modethema, sicher. Aber eine solch vorlaute und provokante und von SZ und FAZ und ZEIT begeistert besprochene Deutschtümelei, wie Matussek sie hier veranstaltet, wäre vor 10 Jahren (als Botho Strauß` „Bocksgesang“ zum Skandal wurde) noch schwer vorstellbar gewesen. Unverbesserlicher Nation-Beschwörer auf all diesen Buchseiten sucht er anzuschreiben gegen Geschichtsvergessenheit - auch gegen lang gepflegte Konventionen, die Deutsche Geschichte als ganze von den 12 Jahren Nazi-Barbarei überschattet zu sehen. Demjenigen, der wissen will, was „deutsch“ eigentlich noch ist oder sein kann im Zeitalter der Globalisierung (die Frage, die er mit so genüsslicher Penetranz seinen Interviewpartnern im Buch unter die Nase hält), offeriert er ein ganzes Füllhorn von Antworten. Es ist, als wollte der Autor Stimmen sammeln aus berufenen Quellen, die der Nation ihr verlorenes Selbst in Erinnerung rufen. Die Gegenwart soll mit dem reichen kulturellen Erbe vermittelt, um nicht zu sagen „wiedervereinigt“ werden. Das sei das Antidot, das Identitätswahrende, im konsumistischen Zeitalter der weltweiten Märkte. Was deutsche Kultur einmal bedeutet hat oder wieder bedeuten könnte, in Rückbesinnung auf ihre Blüten (und ihre großen Repräsentanten), das ist das Thema.
Allerdings: Diese nationale Vereinnahme von „Genie“, die Matussek so wohlgemut betreibt, ist einigermaßen fragwürdig (ganz gleich, ob er über Alexander von Humboldt spricht, über Harald Schmidt oder Pina Bausch). „Genie“, so es es gibt, ist national nicht reklamierbar ... - Noch fragwürdiger erscheinen die Passagen des Buches, in denen naseweis und kess - wieder oder noch - eine geistige Überlegenheit der deutschen „Kulturnation“ insinuiert oder suggeriert wird und den Deutschen eine „Gemütstiefe“, eine „Fähigkeit zum Träumen“ angedichtet wird, die anderen Völkern abgehe. Franzosen und Briten etwa wird „Seelentiefe“ rundweg abgesprochen - hatten wir das nicht schon einmal? Man fühlt sich an die „Betrachtungen eines Unpolitischen“ erinnert, bestenfalls. Längst überwunden geglaubte Diskurse über „deutsche Innerlichkeit“ feiern plötzlich wieder fröhliche Urstände (mit der Betonung auf „fröhlich“).

Ein neuer-alter, „subversiver“ Konservatismus wird launig vorgetragen. (Mit den Konservativen in diesen Tagen verhält es sich ja so, dass sie nur die besseren Betriebswirte sein wollen. Das ist leider alles.) Matussek outet sich demgegenüber als „Bildungsbürger“ im alten Sinne. Er sucht anzuschreiben gegen die Dominanz des Technisch-Wirtschaftlichen einerseits, des Bürokratisch-Sozialstaatlichen andererseits. Gegen die „McDonaldisierung“ der deutschen Gesellschaft. Gegen den „Sündenstolz“ der deutschen Öffentlichkeit. Gegen „linke Spießer“. Mit deutscher Romantik gegen angelsächsische Geldanbetung. „Stolz“ wird angemahnt und „Idealismus“, eine Rückbesinnung auf „preußische Tugenden“. Attackiert wird das Talkshow-Deutschland, der Ökonomismus, der dort herrscht: Deutschland ist Christiansen-Land; die Eliten (Eloquenten) gehn sich Sonntagabend dramaturgisch abgesprochen an die Gurgel: Das Mediensystem beutet in der Komfortsphäre den Unterhaltungswert des Jammerns aus. (So der Philosoph Peter Sloterdijk über die Institution „Christiansen“: Lasst uns die Mechanismen untersuchen, derentwegen eine der materiell und mental reichsten Nationen aller Zeiten einer permanenten verdrießlichen Selbstagitation zum Opfer fällt.)

Es muss doch schön sein, als SPIEGEL-Korrespondent in London, Rio und New York die Liebe zum eigenen Land zu entdecken und dann, zurück in Hamburg, in Worten darüber zu baden ... Das Buch im Ganzen ist alles andere als unproblematisch, es enthält passagenweise Peinlichkeiten, aber es ist amüsant und anregend zu lesen, sehr vital und energetisch, gelegentlich (wie auch anders) in SPIEGEL-Diktion abgleitend. Der nicht sonderlich subtile Doppelsinn des Untertitels („warum uns die anderen gern haben können“) scheint den Erfolg nicht zu schmälern, auch nicht die Druckfehlerdichte und das lausige Lektorat: Schon drei Auflagen hat es erlebt im ersten Jahr ... Was will uns das sagen?

Frank Schwamborn (Iwate), frank-schwam(at)themis.ocn.ne.jp

>>> Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Didaktikecke

Unterrichtsprojekt zum Thema Musik

Die Idee zu einem Sonderkurs zum Thema Musik kam durch die häufigen Fragen der Studenten nach aktuellen Musiktrends und angesagten Bands in Deutschland auf. Da im regulären Sprachunterricht meist nur wenig Zeit für solche Fragen bleibt und es an der FSH Kyoto die Möglichkeit gibt, freiwillige Kurse zu beliebigen Themen anzubieten, entstand im Sommersemester 2006 dieses „Musikprojekt“.

Voraussetzungen

Für das „Musikprojekt“ braucht man im Grunde nur einen CD-Player und eine sorgfältig ausgewählte Titelliste. Wenn man einen Videorekorder, DVD-Player oder gar PC im Unterrichtsraum hat, kann man als „Bonbon“ auch ab und zu einen Videoclip zeigen. Außerdem sollte man darauf achten, dass es durch die ständige Beschallung nicht zu Spannungen mit den Raumnachbarn kommt. Also lieber vorwarnen!

Zielsetzung

Der Schwerpunkt des Kurses liegt auf Hörverständnistraining, Wortschatztraining und Aussprachetraining. Wer die Förderung der Sprechfähigkeit vermisst, müsste das Konzept entsprechend abwandeln.

Vorbereitung

1. Auswahl der Titel

Bei der Planung des Kurses stellt die Titelauswahl das erste Problem dar. Es ist nämlich gar nicht so einfach, genügend deutschsprachige Titel zu finden, die 1) aus verschiedenen Musikrichtungen stammen, um für jeden Geschmack etwas zu bieten, 2) einigermaßen aktuell sind, 3) akustisch und inhaltlich leicht verständlich sind, und 4) trotzdem noch einige lernenswerte (jugendfreie!) Vokabeln und Wendungen enthalten. Meine „Playlist“ enthielt folgende Titel (nur acht, weil der Rest des Semesters für ein E-Mail-Projekt mit der Uni Seoul verplant war):

2. Arbeitsblätter

Für den ersten Lernschritt braucht man die Songtexte, die man im Internet findet. Die hilfreichste Seite hierzu fand ich http://lyrics.songtext.name. Der Text wird in ein Worddokument kopiert und mit Lücken versehen. Hierbei kann man gut nach Schwierigkeitsgrad, Klassenstärke und Arbeitsaufwand für die TN variieren. Will man einen Titel pro Unterrichtseinheit behandeln, dürfen es nicht zu viele Lücken sein, und die einzusetzenden Wörter nicht zu schwer. Je nach Zusammensetzung des Kurses sollte man für kleine Erfolgserlebnisse sorgen, indem man hier und da ein wirklich einfaches, allen bekanntes Wort als Lückenwort wählt.

Für den zweiten Lernschritt benötigt man ein Arbeitsblatt mit dem Lernvokabular in einem Schüttelkasten und Lückentextaufgaben zum Einsetzen. Dieser Schritt eignet sich auch gut als Hausaufgabe. Den zweiten Teil der Hausaufgabe bilden einige Fragen zu dem jeweiligen Interpreten, wie etwa nach dem Gründungsdatum der Band, den Namen einzelner Mitglieder etc. Hier ist der Inhalt im Grunde nebensächlich, denn bei diesem Teil der Aufgabe sollen die TN nur lernen, sich auf deutschsprachigen Internetseiten zurechtzufinden. Auf der Suche nach den Antworten sollten sie in den verschiedenen Links wie Bandgeschichte, Bandtagebuch etc. ruhig ein wenig herumsuchen müssen. Natürlich muss die Homepage des jeweiligen Interpreten hierzu auf dem Arbeitsblatt angegeben werden.

Unterrichtsablauf

Zuerst wird der Titel einmal vorgespielt, während sich die TN Notizen zu bekannten Wörtern oder Wendungen machen. Dabei nach jeder Strophe bzw. dem Refrain kurz unterbrechen, um die Ergebnisse zu erfragen. Als Nächstes wird die Kopie mit dem Songtext ausgeteilt und der Titel nochmals Stück für Stück vorgespielt. Dabei die Lückenwörter auf Zuruf an der Tafel notieren. In einem dritten Schritt werden die ganz einfachen Wörter ausgestrichen, sodass nur noch das Lernvokabular an der Tafel stehen bleibt. Aus diesem kann sich nun jeder TN ein Wort auswählen, zu dem er z. B. einen eigenen Beispielsatz produziert. Hat man viele Vokabeln und wenig Kursteilnehmer, kann man mehrere Durchläufe machen. Beim Schreiben herumgehen und helfen. Darauf achten, dass möglichst keine Wörterbücher benutzt werden. Dann die Ergebnisse vortragen lassen. Am Schluss der Unterrichtsstunde wird das Lied gemeinsam gesungen! Dabei sollte man die Lautstärke ruhig ordentlich aufdrehen, damit auch schüchterne Karaokehasser sich trauen.

Die Ergebnisse der Umfrage nach Ende des Kurses waren so positiv, dass es bestimmt nicht das letzte „Musikprojekt“ an der FSH Kyoto bleiben wird. Wer einen solchen Kurs in nächster Zeit anbieten möchte, kann gern das fertige Material von mir haben, denn die Erstellung der Arbeitsblätter ist ziemlich zeitaufwendig. Für Rückfragen stehe ich jederzeit gern zur Verfügung.

Die Arbeitsblätter kann man hier runterladen: Arbeitsblätter (58 KB als ZIP-Datei)

Monika Sugimoto (Fremdsprachenhochschule Kyoto) msugimoto(at)kufs.ac.jp

>>> Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

 

Mit Kreuzworträtseln Vokabeln lernen

Wer Fremdsprachen lernt, muss Vokabeln lernen. Aber wie? Die in Japan am weitesten verbreitete Methode scheinen Wortlisten zu sein, die dann von oben nach unten auswendig gelernt werden; seltener sieht man Studenten mit selbst erstellten Vokabelkarten. Kreuzworträtsel für Deutschlerner scheinen in Japan dagegen nur wenig bekannt zu sein (Kreuzworträtsel zum Englischlernen gibt es, einfach bei Amazon.jp nach kurosuwâdo (in katakana) [crossword] und eigo (in kanji) [Englisch] suchen).

Ich selbst habe die Kreuzworträtsel von ELI sowie aus dem Wiederholungsbuch zu „Themen neu“ (s. u.) mehrfach in meinem Unterricht eingesetzt, sowohl an der Uni wie im Abendkurs für Erwachsene. In den ELI-Büchern sind die in die Kreuzworträtsel einzusetzenden Vokabeln als Bilder dargestellt, bei Themen werden sie entweder auf Deutsch umschrieben oder sind aus einem deutschen Lückentext zu erschließen. Da das Ausfüllen der Rätsel im Unterricht relativ viel Zeit kostet, habe ich meistens am Ende der Stunde Kopien verteilt, die als Hausaufgabe bis zur nächsten Stunde zu erledigen waren. Den Studenten hat diese Art von Hausaufgaben Spaß gemacht, außerdem ist der Korrekturaufwand für den Lehrer relativ gering, da die Lerner sich beim Ausfüllen der Rätsel ja selbst oft verbessern müssen und daher nur sehr selten falsche Lösungen abgeben.

Meiner Erfahrung nach können Kreuzworträtsel im Unterricht entweder am Ende einer Lektion (zur Wiederholung oder zur Vorbereitung auf Tests) oder zum Üben der neuen Vokabeln als Hausaufgabe möglichst unmittelbar nach der ersten Erwähnung im Unterricht eingesetzt werden. Dabei sollten die in das Rätsel einzusetzenden Wörter möglichst genau auf die Vokabeln, die für den Unterricht zu lernen sind, abgestimmt werden. Sonst kann es passieren, dass die Studenten die Wörter langwierig im Wörterbuch suchen oder sogar gar nicht finden. Beispielsweise muss bei den Rätseln im ersten ELI-Band „Fischhandlung“ oder „Verkehrsampel“ beachtet werden. Wenn die Studenten im Unterricht aber „Fischgeschäft“ und „Ampel“ nicht gelernt haben, so werden sie große Schwierigkeiten haben, das Rätsel korrekt auszufüllen.

Daher bietet es sich an, Kreuzworträtsel selbst zu erstellen. Ich habe das mit der kostenlosen Software von p.i.c.s. gemacht, die unter http://www.picsoft.de/swraets.htm heruntergeladen werden kann. Die Installation war einfach, die Bedienung des Programms ebenfalls. Das Programm bietet zwar die Möglichkeit, 17 verschiedene Rätselarten zu erstellen, aber ich habe mich auf die klassischen Schwedenrätsel beschränkt, bei denen ich einen japanischen Begriff vorgebe, der dann von den Studenten ins Deutsche übersetzt und ins Rätsel eingetragen werden muss. Ich halte Kreuzworträtsel mit 30 bis 50 Wörtern für ideal, weil man so alle neuen Wörter einer Unterrichtseinheit behandeln, dazu noch ältere Vokabeln wiederholen kann und einige Füllwörter (mehr dazu später) braucht.

Um ein neues Rätsel zu erstellen, muss man die zu erratenden Wörter sowie die jeweilige Umschreibung (= japanisches Wort) dazu eingeben. Da das Programm keine japanischen Zeichen verarbeiten kann, muss man als Umschreibung Romaji nutzen. Die Umschreibungen werden nicht – wie bei professionell erstellten Kreuzworträtseln – in Felder innerhalb des Rätsels geschrieben, sondern sind dort nur durch Zahlen markiert, und stehen in einer separaten Liste. Hat man ausreichend Wörter eingegeben, kann man das Kreuzworträtsel erstellen und – wenn das Layout wenig ansprechend ist – so oft neu aufbauen lassen, bis man zufrieden ist. Ein wenig ansprechendes Layout wird auch durch zu große leere Flächen zwischen den Wörtern verursacht, wenn im Rätsel sehr viele lange Wörter enthalten sind. Daher sollte man bei jedem Rätsel einige Füllwörter eingeben (z.B. ich, ja, nein, Auto, sehr, alt, gelb), die zwar für den Lernfortschritt der Studenten nicht wichtig sind, aber zusätzliche Verknüpfungen und Hinweise innerhalb des Rätsels herstellen. Das fertige Rätsel wird dann abgespeichert (auch als PDF möglich) und ausgedruckt, die Größe ist angepasst auf A4 Hochformat.

Anschließend muss noch die Liste der Umschreibungen auf Japanisch mit einem normalen Textverarbeitungsprogramm erstellt werden. Bei der Reihenfolge der Umschreibungen kann man entweder eine eigene – nach didaktischen Gesichtspunkten geplante – Reihenfolge wählen, oder man orientiert sich am Layout des Rätsels, beginnt also z. B. links oben, was dann schneller beim Ausfüllen ist. Dann muss die Liste der Umschreibungen noch mit dem Rätsel auf ein Blatt kopiert werden (z. B. auf B4), fertig. Die Erstellung eines Kreuzworträtsels dauert (je nach Umfang und Erfahrung) etwa 60 bis 90 Minuten.

Auf die selbst erstellten Kreuzworträtsel habe ich bisher nur positive Rückmeldungen erhalten. Für die Studenten war die Auflösung der Umlaute in ae/oe/ue und ss sowie die (notwendige) senkrechte Schreibung deutscher Wörter zunächst ungewohnt, allerdings haben sie sich schnell darauf eingestellt und brauchen meist zwischen 10 und 20 Minuten, um ein Rätsel zu lösen.

Literatur:

Hier kann man zwei selbst erstellte Kreuzworträtsel mit dem Vokabular zu Lektion 4 und 5 von Schritte runterladen: Kreuzworträtsel (37 KB als ZIP-Datei)

Oliver Mayer (Pädagogische Hochschule Aichi), omayer(at)auecc.aichi-edu.ac.jp

>>> Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Termine und Hinweise

Termine 2007

31. Januar 2007 Bewerbungsschluss für Sommersprachkursstipendien (Ausschreibung und Bewerbungsunterlagen: http://tokyo.daad.de)
DAAD-Büro Tokyo (Posteingang)
Bewerben können sich Student(inn)en aller Fächer ab dem 2. Studienjahr
14. Februar 2007 (Mi) TestDaF-Prüfung

Universität Saga
Achtung: Mit sofortiger Wirkung wird das TestDaF-Angebot an der Universität Saga auf unbestimmte Dauer eingestellt. TestDaF kann also bis auf weiteres nur an der Dokkyô-Universität abgelegt werden

Ausführliche japanische Informationen und Anmeldezeiten zum TestDaF an der Dokkyô finden Sie unter: http://www.dokkyo.ac.jp/goken/testdaf/index.html
Vorsicht: Die Termine stimmen nicht immer genau mit den auf der TestDaF HP angegebenen Terminen überein!
11. – 15. März Interuni-Juniorenseminar
Kashi
Info unter: http://www.interuni.jp/
18. – 24. März Kulturwissenschaftliches Seminar der JGG mit Prof. Dr. Michael Wetzel (Bonn)
Tateshina
Info unter: http://www.jgg.jp/
22. – 26. März DaF-Seminar mit Prof. em. Dr. Albert Raasch (Saarbrücken)
Hayama / Kanagawa
Info unter: http://www.jgg.jp/
08. Juni 2007 (Fr) Frühjahrstreffen der deutschsprachigen Hochschullehrer und -lehrerinnen
Tokyo
Info bei Anne Gellert: gellert(at)daadjp.com
09. / 10. Juni 2007 Frühjahrstagung der Jap. Ges. für Germanistik (JGG)
Univ Tokyo, Komaba-Campus
Info unter: http://www.jgg.jp/
14. Juni 2007 TestDaF-Prüfung
Dokkyo Universität
Info s.o.

Weitere Veranstaltungshinweise finden Sie auf der Homepage der Lektoren in Japan: http://www.deutsch-in-japan.de/

Informationen zu DAAD-Stipendien und anderen DAAD-Programmen sowie Bewerbungsunterlagen finden Sie unter http://tokyo.daad.de/japanese/jp_index.htm (für Japaner) und unter http://tokyo.daad.de/german/de_index.htm (für Deutsche)

>>> Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Stand: 15.12.2006 rd